DIE TOUR im TV : Vom Zapper zum Fan

Kurt Sagatz

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hatte noch am späten Donnerstagabend bei Maybrit Illner in allen Ehren versucht, einen verlässlichen und nachvollziehbaren öffentlich-rechtlichen Weg aus der Doping-Misere zu beschreiben – und war gescheitert. „Wir werden jetzt jede einzelne Sportart und jedes Sportereignis für sich genommen in einer sehr konzentrierten Einzelentscheidung betrachten“, gab er als Richtschnur aus, über die jede Berichterstattung stolpern muss. Darf von der Rad-WM gesendet werden, weil nationale Verbände verdächtige Fahrer wie den derzeitigen Tour-Ersten Michael Rasmussen sperren? Darf in Peking 2008 Turmspringen gezeigt werden und müssen andere Schwimmdisziplinen draußen bleiben? Jörg Jaksche, geständiger Doping-Sünder war skeptisch, dass ein Boykott automatisch den Druck auf den Sport beim Kampf gegen Doping erhöht. Der Radprofi weiß, wie der Betrieb läuft. Und er weiß, dass der Rückzug von Sendern und Sponsoren dazu führen kann, dass im Gegenteil der Leistungsdruck auf die Fahrer noch weiter zunimmt. Auch andere Fragen bleiben kompliziert: Ob sich Sat 1 mit der Übernahme der Tour-Rechte den erhofften großen Gefallen getan hat, ist fraglich. Dass man am Donnerstag mit rund einer halben Million Zuschauern hinter Eurosport zurückblieb, wo doppelt so viele Deutsche zuschauten, sagte wenig, zumal am Donnerstag nur der eifrige Zapper die Programmänderung mitbekam. Erst gestern konnte Sat 1 wirklich zeigen, ob man ohne eigene Sportredaktion mit einem anerkannten Sportspartensender wie Eurosport mithalten kann. Dort lässt man sich von der neuen Konkurrenz nicht beeindrucken. Doping wird zwar auch hier weiterhin nicht öffentlich-rechtlich diskutiert, dafür erfährt man bei Eurosport schon weit vor 15 Uhr alles Wichtige zur Etappe. Kurt Sagatz

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