DIE TOUR im TV : Witzlos

Bernd Gäbler

„Doping, ein Thema, das wir natürlich auch zentral behandeln wollen – aber jetzt wollen wir uns erst einmal auf den Sport konzentrieren“, dieser hübsche Dualismus prägte die Tour-Berichterstattung am ersten ZDF-Tag. Es dauerte zähe 45 Minuten, bis das erste tagesaktuelle Bild eines rollenden Rades gezeigt wurde.

Als Spritzen noch papierkörbeweise aus den Mannschaftshotels geschafft wurden, die Kofferräume voll waren mit Medizin, stellte sich das Fernsehen dumm. Seine Moderatoren präsentierten die Teams und die Sportchefs verhinderten Doping-Dokumentationen. Dann half das Fernsehen die Beichtstühle auszupolstern. Der Wind hat sich gedreht. Also gibt das Fernsehen jetzt – bevor es mit dem Sport beginnt – erst einmal Nachhilfestunden: in Medizin mit Prof. Dr. Klaus Völker und in Journalismus mit dem ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender: „Wir haben zu lernen, dass Journalisten nicht zu Fans verkommen.“ Ach!

Darum sind die Wendehälse nun eifrig bemüht. Als müssten sie eine neue Vorschrift einhalten, werden Skandal und Täter zu ihren Schlüsselwörtern. So halten sie die fiktionale Trennung von „eigentlichem Sport“ und „Doping“ aufrecht. Artig wird McEwens Etappensieg gewürdigt, während Andreas Klöden, der sich den wechselnden Winden nicht geschmeidig anpasst, jetzt als Finsterling gilt.

Weil den Sportjournalisten jede strukturelle Beschäftigung mit Doping als integrales Element eines dennoch faszinierenden Sports vorkommt wie Soziologen-Chinesisch, gehen sie in diesem Jahr mit Vorsicht und heiligem Ernst zu Werke. Die Tour 2007 läuft im Fernsehen vollkommen humorfrei. Bernd Gäbler

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