Medien : Die unlesbare Zeitung

Veröffentlichung von „Mein Kampf“ bleibt verboten.

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Die Veröffentlichung von Auszügen aus Hitlers „Mein Kampf“ in der historischen Wochenzeitung „Zeitungszeugen“ bleibt verboten. Das Landgericht München entschied am Donnerstag, das Zitierrecht decke den Abdruck in diesem Fall nicht. Der Verleger Peter McGee wollte seiner Publikation bereits im Januar ein Heft mit kommentierten „Mein Kampf“-Ausschnitten beilegen. Dagegen erwirkte das bayerische Finanzministerium, das die Urheberrechte an „Mein Kampf“ als Rechtenachfolger des Eher-Verlags der Nationalsozialisten geerbt hat, eine einstweilige Verfügung. Der Verlag hatte die Zitate damals vorsorglich gepixelt, um eine Eskalation des Streits zu verhindern.

Peter McGee wird dagegen Berufung beim Oberlandesgericht einlegen: „Wir werden vorerst darauf verzichten, ,Das unlesbare Buch‘, eine wissenschaftliche Abhandlung über Hitlers ,Mein Kampf‘ mit Zitaten aus diesem Werk, als ,Zeitungszeugen‘-Beilage an den Kiosk zu bringen. Gleichwohl halten wir die Entscheidung des Gerichts für falsch.“ Das Landgericht verkenne die Bedeutung der Zitatfreiheit, die die Nutzung eines urheberrechtlich geschützten Textes zum Beleg wissenschaftlicher Erläuterungen auch im Format einer Zeitschriftenbeilage sicherstellt. „Was für dicke Fachbücher gilt, muss auch für eine von Wissenschaftlern gefertigte Fachbroschüre gelten.“ Die kritische Auseinandersetzung mit einem weithin tabuisierten Machwerk wie „Mein Kampf“ verlange nach einer Aufarbeitung, die der Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Werk könne nicht allein als Eigentum eines Bundeslandes behandelt werden; es müsse als historische Quelle für die verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte herangezogen werden können. „Zeitungszeugen“ erscheint jeden Donnerstag mit dem Nachdruck von Zeitungen aus der Zeit zwischen 1933 und 1945. meh/dpa

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