Medien : Die Vermessung des Bösen

Arte zeigt die Suche nach dem kriminellen Gesicht

Alice Bota

Die niedrige Stirn. Die kleinen Augen, die abstehenden Ohren: eine Verbrecher-Visage, das Gesicht von Bruno Lüdke. Das fand zumindest der Kommissar Franz. Einem Impuls folgend nahm er den Berliner wegen Mordes fest. Beweise gegen Lüdke gab es nicht, deshalb benutzte man eine andere Überführungstechnik: Lüdkes Physiognomie als Beweis für sein kriminelles Wesen. Bruno Lüdke wurden 51 Morde angehängt.

Davide Toscos Dokumentation „Gesichter des Bösen“, die Arte am Sonntag beim Themenabend „Schuldig auf den ersten Blick“ ausstrahlt, zeigt, wie Bruno Lüdke Opfer der menschlichen Besessenheit wurde, dem Bösen ein Gesicht zu geben und so das Andersartige fassbar zu machen. Tosco verfolgt die Ursprünge der Physiognomik und Phrenologie, der Lehre vom Schädel, zurück und geht bis zur modernen Genetik. Er spricht mit Ärzten, Kriminologen, Fotografen. Er rollt den Fall Lüdke auf. Der spielte sich in den 40er Jahren ab, zur NS-Zeit. Heute weiß man, dass Lüdke die ihm zur Last gelegten Morde aus Angst gestanden hat. Aber der Impuls, Menschen zu katalogisieren und aufgrund ihres Äußeren Charaktereigenschaften zuzuschreiben, hat Hochkonjunktur. Sei es beim Reisepass mit biometrischen Merkmalen oder dem Bild von Terrorverdächtigen in der westlichen Welt: männlich, eher dunkelhäutig, vorzugsweise mit Bart.

„Gesichter des Bösen“, Arte,

Sonntag, 22 Uhr 15

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