Medien : Die virtuelle WM

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DAS SPIEL IST AUS!

Noch vier Spieltage, dann ist diese WM zu Ende. Bereits jetzt sind zwei Dinge sicher: Selten waren Schiedsrichter so spielentscheidend, und selten törnten einzelne Kommentatoren und Moderatoren derart ab. Es ist nicht nur das, was sie sagen, obwohl es schon gruselig genug ist, immer wieder von den Brasilianern als „Zauberern vom Zuckerhut“ zu hören. Auch wie sie es sagen, löst bei vielen Zuschauern das Verlangen aus, den Ton abzuschalten. Dabei könnte alles so einfach sein.

Sechs Kameras, sechs Perspektiven, damit wirbt Premiere für jedes Rennen der Formel 1. Möglich macht es die digitale Technik, die jeden Zuschauer zum Sendeleiter werden lässt. Warum sollte man bei zukünftigen Fußball-Turnieren nicht vergleichbare Techniken einsetzen, um der ewigen Meckerei an der Qualität der Kommentatoren ein Ende zu machen? Wem Heribert Faßbender nicht passt, der lässt sich das Spiel von Johannes B. Kerner erläutern. Und wer kein Fan von Fritz von Thurn und Taxis ist, der wechselt lieber zum legendären Dieter Kürten. Wer Michael Steinbrecher an Stelle von Waldemar Hartmann beim Trainer-Interview sehen mag – ein Knopfdruck an der Fernbedienung genügt.

Findige Softwareentwickler arbeiten längst an den notwendigen Techniken. Fünf Menschen aus den fünf Kontinenten auf dem Fernsehgerät so darzustellen, als ob sie gerade jetzt miteinander an einem Tisch sitzen, ist technisch längst möglich. Nimmt man noch eine Entwicklung dazu, die wenige Tage vor dem WM-Start vorgestellt wurde, so werden letzte Zuschauerwünsche wahr: Ein Computerprogramm erlaubt es, jedem Menschen Sätze videotechnisch so in den Mund zu legen, als würde er sie tatsächlich selbst sagen. Nur sein Aussehen muss zuvor digitalisiert werden. Bis zur WM 2006 sollte es also möglich sein, dass sich jeder seinen eigenen Kommentator zusammenbaut. Doch warum hier aufhören? Was ist mit den Spielern, mit einem Pelé von 1958 oder dem 74-er Beckenbauer? Kurt Sagatz

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