Medien : Die Wächterin des „geistigen Tempels“

Ein Arte-Porträt von Hilla von Rebay, Gründerin des Guggenheim-Museums in New York

B. S.

Das Ausgraben weiblicher Genies aus den Friedhöfen des kollektiven Gedächtnisses war eine Art Sport der Feministinnen – und ist es immer noch. Hilla von Rebay zum Beispiel. Wer war sie, was tat sie? Sehen Sie, Sie wissen es nicht. Rebay war eine höchst engagierte Avantgardistin, sie kämpfte für die Anerkennung der abstrakten Kunst, schuf selbst Collagen – und sie gründete das Guggenheim-Museum in New York, sie war seine erste Direktorin.

Wie es dazu kam, dass die 1890 in Straßburg geborene Baroness, Freundin und Wegbegleiterin von Arp, Kandinski, Léger, Chagall und vielen anderen, zur amerikanischen „Queen of Art“ avancierte, Solomon Guggenheim (Geld) und Frank Lloyd Wright (Bau) dazu brachte, das ungewöhnlichste Museum der Welt, einen „geistigen Tempel“, zu errichten und wie sie dann in Vergessenheit geriet – das erzählt der schöne Film von Sigrid Faltin: „Die Baroness und das Guggenheim“. Faltin hat sich jeder anklägerischen Pose enthalten: Dass es da eine begabte und wichtige Frau gegeben hat, von der heute niemand mehr etwas weiß, ist für sie kein Anlass zum Vorwurf, sondern zur Freude: Hilla von Rebay ist wieder da, auferstanden in einer Dokumentation voller toller Bilder, spannender Geschichten, großer Namen und – Humor.

Mittels Anleihen bei der filmischen Collage-Technik adaptiert Faltin den künstlerischen Zugriff und das streitbar-fröhliche Temperament ihrer Heldin und spricht in mimetischer Annäherung an sie über Kunst, Freundschaft, Liebe, Loyalität. Aus der Nähe wechselt sie in die Distanz: Es wird klar, wie dramatisch das Leben der Hilla von Rebay verlief, wie weitblickend sie als Kunstkritikerin war und wie blind auch, wenn Leidenschaft ihr Urteil färbte. Rebays Credo: „Im Zeitalter der Fotografie muss sich der Künstler vom Gegenstand lösen“ mag heute in seiner Radikalität Geschichte sein. Als solche aber ist es höchst lebendig – siehe den Erfolg der MoMA-Ausstellung.

„Die Baroness und das Guggenheim“, 23 Uhr 30, Arte

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