Medien : Die Weltklassefrisur

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Kann man eigentlich guten Gewissens Samstagmittag um halb zwei gute Laune haben und ein Bier trinken? Und dann noch eins? Ein drittes, viertes, möglicherweise ein fünftes? Irgendwie ja schon, wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind: Die Freunde sind zu Besuch, die Sonne scheint, Deutschland spielt, und das Spiel der deutschen Mannschaft begeistert auch noch, wie lange nicht mehr. Selbst Günter Netzer lobt, und wenn man mit Netzer darüber reden will, muss man ins Internet gehen, denn die ARD bietet an: Chat mit Internetzer, und diesen nswitz hat sich bestimmt Gerhard Delling ausgedacht, der ist ja ein ganz Lustiger.

Das ZDF hingegen ist eine humorfreie Zone, das konnte man am Sonntag erkennen, da begann die WM für das Zweite Deutsche Fernsehen. In einem Studio am Potsdamer Platz sitzt Wolf Dieter Poschmann mit Otto Rehhagel und einem Schweden, den kein Mensch kennt. Das Spiel, das die Öffentlich-Rechtlichen zeigen dürfen, ist England gegen Schweden, und nach der ersten Halbzeit steht es eins zu null, und zum Torschützen Sol Campbell fällt Otto Rehhagel ein: „Ein Weltklassespieler muss auch eine Weltklassefigur haben.“ Und da fällt den Freunden, die zu Besuch sind, fast das Bier aus der Hand, denn eigentlich muss ein Weltklassespieler vor allem eine Weltklassefrisur haben, so wie David Beckham. Beckham trägt einen Irokesenschnitt und eine ähnliche Frisur haben auch vier schwedische Spieler und um die Verwirrung komplett zu machen, sagt der Kommentator Bela Rethy: „Die Engländer spielen in blau-weiß.“ Was aber tragen die Schweden? Blaues Trikot, weiße Hose. Man kennt sich bald gar nicht mehr aus, im Weltfußball. Nach dem Spiel, das dann auch eins zu eins ausging, sagt Otto Rehagel, dessen Haare an eine Mütze erinnern: „Als Beckham rausging, fehlte, wie ich das immer so sage, der Spiritus Rector.“ Da war es halb zwei, Zeit für ein Bier. Und für gute Laune. Matthias Kalle

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