Medien : Die Wende verpennt

Kindheit und Jugend hatten mein Mann und ich im Westen der geteilten Stadt verbracht. 1986 verschlug es uns aus beruflichen Gründen nach Frankfurt am Main. Am Abend des 9. November 1989 hatten wir Gäste. Wir waren bei den Vorbereitungen zum Raclette-Essen, als mein Mann, der die „heute“-Nachrichten verfolgt hatte, aufgeregt in die Küche stürzte und mir Schabowskis Worte mitteilte. Ich konnte das so nicht glauben und unterstellte ihm, etwas falsch verstanden zu haben. Als es gleich darauf klingelte, waren der Besuch und das Essen vorrangig. Obwohl wir über die politische Lage diskutierten, kam niemand auf die Idee, den Fernseher einzuschalten. Gegen 23 Uhr verließen uns die Gäste und in der Annahme, dass die „Tagesthemen“ nun auch vorbei waren, gingen wir zu Bett. Wir hatten die Wende regelrecht verpennt!

ANDREA KLOSE (50)

Cafémitarbeiterin aus Berlin-Schlachtensee

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben