Medien : Die Werder-Falle

Champions League: drei Vereine und ein Free-TV

Markus Ehrenberg

Champions-League-Präsentation beim Sender Sat1, Vereine, Senderchefs, Moderatoren stellen sich der Presse: Oliver Bierhoff, Teammanager der Nationalmannschaft, Sat-1-Chef Roger Schawinski, Bayern-Manager Uli Hoeneß, Kommentator Oliver Welke, Wolfgang Holzhäuser, Chef von Bayer Leverkusen. Und Klaus Allofs? Der Manager von Werder Bremen hätte auch was zu verkaufen. Schließlich ist Bremen neben Bayern München und Leverkusen die dritte deutsche Kraft in der heute beginnenden Champions-League-Saison. Werder ist nach längerer Zeit wieder international dabei und könnte sich Woche für Woche einem Millionenpublikum präsentieren.

Könnte sich. In der Praxis sieht das so aus, dass der Deutsche Meister an den ersten beiden Spieltagen in Sat 1 nicht vorkommt, zumindest nicht live und ausführlich. Los geht’s am Mittwoch mit dem Schlager Leverkusen gegen Real Madrid (Sat 1, Anstoß: 20 Uhr 45), zwei Wochen später (28.9.) Bayern München gegen Ajax Amsterdam. „Mehr steht noch nicht fest, wir entscheiden an jedem Donnerstag vor dem nächsten Spieltag, welches Spiel wir übertragen“, sagt Sat-1-Sportchef Albrecht Schmitt-Fleckenstein.

Aber es ist schon eher unwahrscheinlich, dass da am dritten Spieltag (2.11.) Anderlecht gegen Bremen über den Bildschirm geht, während einen Tag früher Juventus Turin gegen Bayern München oder Leverkusen gegen den Rudi-Völler-Club AS Rom im Angebot sind. Wo ist da der Platz für Werder Bremen? Zusammenfassungen an dem Champions-League-Tag (Dienstag oder Mittwoch), an dem kein Spiel übertragen wird, laufen bei Sat1 auch dieses Mal wieder im Nachrichtenblock um 0 Uhr 15. Mehr gibt für Sat1 das Rechtepaket bis 2006 nicht her.

In der vergangenen Spielzeit mischten nur zwei deutsche Teams mit, Bayern München und der VfB Stuttgart. Damals hatte es Sat1 relativ einfach, sich für ein Spiel zu entscheiden. Und jetzt: die Qual der Wahl, zumindest in den Gruppenspielen bis zum Achtelfinale, Ende Februar. Das könnte Ärger geben. Nicht nur mit Millionen Bremen-Fans bundesweit. Angeblich sollen sich auch schon Werder-Offizielle über mangelnde Berücksichtigung im frei empfangbaren Fernsehen beschwert haben. Alles Quatsch, Klaus Allofs hatte Terminschwierigkeiten, er konnte nicht zur Sat-1-Pressekonferenz nach Berlin kommen, sagt Schmitt-Fleckenstein.

Alles halb so wild, meint auch Uli Hoeneß. „Wenn ich das Gerede schon wieder höre. Sollen doch alle glücklich sein, dass drei deutsche Vereine dabei sind.“ Und ob nun Werder-Fan oder nicht – jeder kenne doch irgendjemanden, der einen Premiere-Decoder zu Hause hat, sagt der Bayern–Manager. Hoeneß mag Premiere. Andererseits: Das Top-Achtelfinale Bayern München gegen Real Madrid sahen im März in der Spitze 15,3 Millionen Zuschauer – im Free-TV, bei Sat1. Durchschnittlich waren 2003/2004 über sieben Millionen Zuschauer bei den 13 Live-Begegnungen dabei. So viel erreicht Premiere nicht. Dafür überträgt nur der Abo-Sender alle Champions-League-Partien live (heute unter anderem: Inter Mailand gegen Werder Bremen, 20 Uhr 45).

Aber da gibt’s ja noch die „Bild“-Zeitung. Wenn es hart auf hart kommt, darf das Volk auch wieder in Hamburg anrufen und das Spiel der Woche bestimmen, kündigt Albrecht Schmidt-Fleckenstein an. „Wir übertragen das Spiel, das die Fans bundesweit am meisten interessiert.“

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