Dieter Moor : „Hemmschwellensenker“

Dieter Moor moderiert ab November das ARD-Kulturmagazin "ttt“. Ein Interview mit dem vielseitigen Schweizer.

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Dieter Moor -Foto: ARD

Herr Moor, Sie werden von Etiketten umschwirrt: Kulturkenner, Fernsehmoderator, Schauspieler, eidgenössischer Harald Schmidt, im Nebenberuf Bio-Bauer. Was können Sie am besten?

Ich weiß es, ehrlich gesagt, auch nicht. Ich mache alles, was ich mache, Gott sei Dank, sehr gerne. Dann kann ich alles gut, oder?

Am 4. November werden Sie der Moderator des ARD-Kulturmagazins „titel, thesen, temperamente“. Ist das etwas anderes als Ansager mit kulturbürgerlichem Hintergrund?

Beim jetzigen Stand des Fernsehens könnte man annehmen, dass es nichts anderes wäre. Ich habe ein etwas anderes Bild dessen, was ein Moderator tun sollte. Ich sehe den Moderator einfach als Verkäufer. Da gibt es ein sehr hoch stehendes Produkt, das es ans Publikum zu verkaufen gilt.

Sind Sie ein besserer Verkäufer als alle Vorgängerinnen und Vorgänger?

Mein Unique-Selling-Point muss sein – Hemmschwelle senken. Also weg mit dem, was nach „Achtung, Kultur“ schreit. Weg mit dem Etikett „Jetzt wird’s langweilig“. Ein bisschen Subjektivität tut ganz gut. Ein bisschen weniger klug, ein bisschen menschlicher, das wird meine Richtung sein. Auch, dass kulturelle Ereignisse, die für normal denkende Menschen nicht vollziehbar sind, nachvollziehbar werden.

Was wäre solch ein Ereignis?

Ich habe bei 3sat einen Beitrag moderiert über eine Molière-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen. In den Ausschnitten sehe ich den sehr, sehr guten, nicht sehr schönen, alten Schauspieler Thomas Thieme, der auf der Bühne onanieren muss. Da bin ich überaus befremdet, weil das, wenn überhaupt, vor 30 Jahren angesagt war. Da würde ich mit dem Schauspieler, mit dem Regisseur reden wollen, um herauszufinden, ob sich mir und dem Zuschauer diese Bühnengroßtat erschließt.

Was unterscheidet „ttt“ vom ZDF-Magazin „aspekte“?

Keine Ahnung.

Auffällig geworden sind Sie mit Sendungen wie dem Medienmagazin „Canale Grande“ oder der Reihe „Ex! Was die Nation erregte“. Da wirkten Sie wie der andere Friedrich Küppersbusch. Sind solche Anwandlungen vom „ttt“-Moderator Dieter Moor zu erwarten?

Mich wundert, dass ich Sie an Friedrich Küppersbusch erinnere. Wir ähneln uns doch nicht wahnsinnig. Küppersbusch geht mit einer wirklich geschliffenen Intellektualität an die Dinge heran, auch mit einer ehrlichen Naivität. Bei mir war das mehr Kasperltheater und Hektikfernsehen. Ich halte mich eher für einen agierenden und Küppersbusch eher für einen argumentierenden Menschen.

Bio-Bauer Moor in Hirschfelde, 200 Einwohner, Landkreis Barnim. Was gedeiht unter Ihren Schweizer Händen am besten?

Jetzt schon hervorragende Lammkoteletts und in zwei Jahren, wenn die Herde aufgebaut ist, dann auch wahnsinnig gutes Wasserbüffelfleisch und exorbitantes Qualitätsfleisch vom Galloway-Rind.

Dieter Moor, 49, wird ab 4. November das ARD-Kulturmagazin „ttt – titel, thesen, temperamente“ moderieren.

Mit ihm sprach Joachim Huber.

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