Medien : Dieter Stolte im Interview: "Es gibt ein Leben nach dem ZDF"

Herr Stolte[nicht auch noc],Ihre Ankündigung[nicht auch noc]

Dieter Stolte, 66, ist seit 1982 Intendant des ZDF. Am Freitag vergangener Woche kündigte er an, für eine weitere Amtsperiode nicht mehr zu kandidieren.

Herr Stolte, Ihre Ankündigung, nicht auch noch für eine fünfte Amtszeit als Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens zu kandidieren, hat überrascht. Über Ihre Beweggründe wurde viel spekuliert. Was stimmt denn davon nun?

Die naheliegenden Überlegungen pflegen in einem solchen Fall immer außerhalb der Betrachtung zu bleiben. Wenn im März 2002 der für eine Amtszeit von fünf Jahren zu wählende Intendant seinen Dienst antreten soll, befinde ich mich im 68. Lebensjahr. Mein Respekt vor dem Amt verbietet es, ein weiteres Mal anzutreten; noch abwägiger ist es, sich eine gesplittete Amtszeit vorzustellen.

Welche Schlagzeile, verbunden mit Ihrem Namen, hat Sie in der vergangenen Zeit am meisten geärgert?

Die Märchengeschichten von Klaus Ott in der "Süddeutschen Zeitung" zum Thema "Fußball-WM-Rechte". Dies war faktenfreie Stimmungsmache, ohne jeden Versuch, sich bei mir zur Sache zu informieren.

Und welche Schlagzeile hat Sie am meisten gefreut?

Dass das ZDF bislang über acht Millionen Mark zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gesammelt hat.

Schon wird über eine Aufgabe nachgedacht, die Dieter Stolte nach seinem Ausscheiden wahrnehmen will. Der Tagesspiegel sieht Sie als nächsten Generalsekretär des Goethe-Instituts - Sie auch?

Ich habe mich nicht beworben, mir liegt auch keine Anfrage vor. Aber ich habe mich natürlich gefreut, dass es auch ein Leben nach dem ZDF zu geben scheint.

Wer Dieter Stolte kennt, weiß, dass er die verbleibende Zeit dem ZDF mit vollem Engagement widmen wird. Trotzdem, die Zeit ist knapp. Wie sieht Ihre Prioritäten-Liste aus?

Es gibt drei wichtige Aufgaben, die bereits auf den Weg gebracht sind, im Jahre 2001 aber noch vollendet werden müssen: die Sicherung der ZDF-Finanzen in der Gebührenperiode bis 2004, mit dem Ziel, mit einem möglichst niedrigen Schuldenstand abzuschließen; die Weiterentwicklung des ZDF von einer klassischen Fernsehanstalt zu einem Multimedia-Programmunternehmen, in dessen Kern weiterhin das ZDF-Vollprogramm steht und das an seinen Rändern durch Spartenprogramme und Online-Dienste ergänzt wird; schließlich die Schärfung des ZDF-Programmprofils - einschließlich einer Rundumerneuerung seines Programmauftritts (Slogan, Logo, Farbgebung).

Sie gelten als Programm-Intendant, der sehr genau um die Stärken und Schwächen des ZDF-Angebots weiß. Was wollen Sie unbedingt im Programm realisiert sehen, ehe Sie den Sender verlassen?

Ich möchte gern das ZDF als führender Informationssender mit Nachrichtenkompetenz, Magazin- und Reportageprofil positioniert sehen. Weiterhin sollten die Qualitätsstandards bei Dokumentationen aus Zeitgeschichte, Kultur und Natur eingelöst werden sowie die Rundum-Begleitung durch überzeugende Internetauftritte realisiert sein.

Mainz ist das Stand-, Berlin das Spielbein des ZDF. Sind Sie zufrieden mit dem, was die Mitarbeiter des Hauptstadtstudios leisten, oder ist da noch Entwicklungspotenzial?

Wir sind mit dem ZDF-Hauptstadtstudio auf einem guten Weg: "Morgenmagazin", "Berlin direkt", "Frontal 21", "Berlin Mitte", "aspekte" und schließlich das "Nachtstudio" - alles Belege dafür, dass das ZDF gut in Berlin angekommen ist. Die täglichen Reporterbeiträge und Analysen in "heute", "heute-journal" und "heute Nacht" zeigen darüber hinaus, dass wir über ein leistungsfähiges Team verfügen. Stillstand ist nicht angesagt: das Bessere ist immer des Guten Feind.

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