Medien : Dieter von Holtzbrinck im Gespräch: "Das ist ein höchst fragwürdiger Vorgang"

Herr von Holtzbrinck[zwei handgeschriebene Entsch]

Herr von Holtzbrinck, zwei handgeschriebene Entschuldigungsbriefe an den Springer-Verlag sind über "Focus" an die Öffentlichkeit gelangt. Haben Sie das selbst lanciert?

Nein, ich würde niemals persönlich adressierte Briefe an Dritte weiterleiten. Die Entschuldigung, zu der ich stehe und die in Form eines handschriftlichen Anhanges an eine Vorabinformation über den Stabwechsel an der Spitze unseres Hauses erfolgte, muss aus dem Hause Springer den Medien zugespielt worden sein.

War es denn mit der Springer-Führung abgesprochen, dass die "Bild"-Zeitung über die Entschuldigung auf Seite eins berichtet?

Über meine Haltung zum "Zeit"-Dossier über Springer gab und gibt es keinerlei Gedankenaustausch mit der Springer-Führung. Meine Entschuldigung auf Seite eins der "Bild"-Zeitung zu setzen - nicht jeder "Bild"-Leser ist ein "Zeit"-Leser - ist ein höchst fragwürdiger Vorgang, der auch nicht durch die Sonderplatzierung neben einer barbusigen Blondine aufgewertet ist.

Warum fühlten Sie sich überhaupt veranlasst, sich von einem Dossier der "Zeit" in solch massiver Form zu distanzieren?

In der Tat kommt es höchst selten vor, dass ich mich Dritten gegenüber von einem Bericht in unseren Blättern distanzieren muss. Den Springer-Verlag anhand von dortigen Fehlleistungen und zweifelhaften Aussagen von geschassten Mitarbeitern wieder - wie vor 30 Jahren - als Gefahr für unsere Demokratie hochzustilisieren und den Springer-Gesellschaftern, Vorständen und Chefredakteuren eine Verschwörung zum Sturz der Bundesregierung zu unterstellen, halte ich für untragbar.

Hatten Sie sich zuvor mit der neuen "Zeit"-Chefredaktion darüber verständigt?

Dazu gab es im Vorfeld keine Gelegenheit. Ich habe jedoch beim ersten Treffen mit den Chefredakteuren das Thema offen mit diesen diskutiert. Dabei waren wir uns in der Beurteilung des Dossiers nicht einig. Es gibt deswegen aber weder ein Zerwürfnis noch einen Richtungsstreit zwischen Michael Naumann und mir. Die Dossier-Angelegenheit ist jetzt auch ausdiskutiert.

Heißt dies, dass die Zeitungen und Zeitschriften Ihrer Gruppe nicht mehr so kritisch über einflussreiche Konkurrenten berichten sollen?

Unsere Zeitungs- und Zeitschriftenmacher genießen publizistisch weitestgehende Autonomie. Als Gruppe sind wir es gewohnt, auch von den eigenen Medien kritisiert zu werden. Und natürlich können und sollen Parteien, Verbände, Unternehmen und Einzelpersonen kritisch unter die Lupe genommen werden, wenn es Grund zur Beanstandung gibt. Wogegen ich mich verwehre, sind schlechte Recherche, Einseitigkeit und persönliche Diffamierungen. Und gegen das wieder in Mode kommende Gesellschaftsspiel mit dem Titel "Medien hauen Medien" - ein Spiel nur für Insider, nicht für die Leser.

Haben die ursprünglichen Adressaten des Briefes, August A. Fischer und Friede Springer, Ihnen inzwischen geantwortet?

Bis Montag Vormittag nicht.

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