Medien : Dieter Zlof bereut nicht

Johannes Völz

Krimis, so will es das Genre, enden mit einem Happy End: Der Täter wandert ins Gefängnis. Doch als Happy End lässt sich das in einem Fall wie dem Richard Oetkers schwerlich auffassen. Der Industriellensohn wurde vor 25 Jahren auf einem Parkplatz der Universität in Weihenstephan entführt. Zwar kam der damals 25-Jährige für das außergewöhnlich hohe Lösegeld von 21 Millionen Mark frei und der Täter wurde in einem der dramatischsten Kriminalfälle der Nachkriegszeit gefasst: Doch bis heute leidet Oetker an seinen Verletzungen. Eingesperrt in einer Holzkiste bekam er Stromschläge verpasst, die ihm beide Hüften und acht Lendenwirbel brachen.

Heute um 21 Uhr 45 strahlt nun die ARD die vom NDR produzierte Dokumentation "Die Oetker-Entführung" aus. Der 75-minütige Film von Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg ist keine reine Dokumentation. Er jongliert auch mit den Genres Krimi und Zeitgeschichte. Während Oetker selbst seit der Tat die Medien meidet und auch im ARD-Film nicht Stellung bezieht, bekennt sich der Täter Dieter Zlof zum ersten Mal öffentlich zu der Tat. Die Langzeitfolgen seines Opfers kommentiert er allerdings ohne jegliche Reue: "Das Leben ist eben eine Abfolge von Traumata, wenn man so will."

Schon vor der Ausstrahlung haben sich nun Kritiker zu Wort gemeldet: Norbert Lammert, medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, mahnt mit Blick auf die ARD-Dokumentation sowie den Sat 1-Fernsehfilm "Der Tanz mit dem Teufel", der ebenfalls die Entführung Oetkers behandeln wird: "Opfer dürfen nicht öffentlich vorgeführt werden." Die dokumentarische und fiktionale Verfilmung von Richard Oetker, so Lammert weiter, bewege sich hart an der Grenze des Persönlichkeits- und Opferschutzes. Als "zynisch und menschenverachtend" hat auch die Opferschutz-Organisation "Weißer Ring" den ARD-Film kritisiert. Es sei unfassbar, dass einem Rechtsbrecher eine gebührenfinanzierte Plattform geboten werde, hieß es in einer Pressemitteilung.

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