Digital-TV : Neues altes Fernsehen

Der ZDFdokukanal geht, ZDFneo kommt. Die private Konkurrenz schäumt über die neue öffentlich-rechliche Konkurrenz.

Joachim Huber
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Eindeutig erkennbar. Das Sender-Logo von ZDFneo will eine „unangestrengte Wortmarke“ sein. Foto: ZDF

Die Privatsender machen mobil gegen den neuen vom ZDF betriebenen Digitalkanal Neo, der am 1. November startet und damit den bisherigen ZDFdokukanal ablöst. „Mit der Umsetzung von ZDFneo sehen wir unsere schlimmsten Befürchtungen eingetreten“, sagte Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), dem Tagesspiegel. Die bisher bekannt gewordenen Inhalte seien „alles andere als neo, sondern eine Kopie zahlreicher privater TV-Kanäle“.

ZDFneo will nach Senderangaben „mit einem Programmkonzept überzeugen, das sich an der Lebenswelt junger Familien und den Nutzungsgewohnheiten der Zuschauer zwischen 25 und 49 Jahren orientiert“. In dieser Zielgruppe tut sich das zweite Programm ZDF (wie die ARD) sehr schwer, das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer liegt bei 61 Jahren. Mit Neo will das ZDF für jüngeres Publikum interessant werden und in einer immer stärker fragmentierten Programm-Landschaft Zukunft gewinnen. Intendant Markus Schächter sagte, wo es nicht mehr gelingen könne, mit einem Kanal alle Zuschauer zu erreichen, liege der Erfolg im Angebot einer starken Senderfamilie, in der sich die unterschiedlichen Zielgruppen unter dem Dach des ZDF wiederfänden. Nicht erst seit der Intendanz von Markus Schächter beklagt das ZDF gegenüber ARD und ihren Dritten Programmen sowie den privaten Einheiten der RTL Group und ProSiebenSat 1 Media AG erhebliche Nachteile im Wettbewerb.

Das ZDF sieht sich Neo auf der sicheren Seite. Mit dem zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrag haben die Ministerpräsidenten die Umwandlung des Dokukanals in einen Familienkanal gebilligt. Auch das vom ZDF vorgelegte Programmkonzept wurde damit genehmigt.

Nun liegt das faktische Programm vor, die erste Woche von ZDFneo. Was Schächter eine „attraktive öffentlichrechtliche Alternative für die jüngeren Zuschauer“ nennt, schimpft VPRT-Chef Doetz „kommerzielles Rosinenpicken“.

Der Sonntag des 1. November ist der „Preview-Tag“. Er bietet eine Mischung aus Telenovela („Alisa“), Dokumentationen („Die sprechenden Affen“), DokuSoaps mit Ratgeber- und ServiceFunktion („Mein Superschnäppchen-Haus“, „Mamas Traumjob“), dann folgen die Premiere der US-Sitcom „3D Rock“ (mit der fantastischen Sarah-Palin-Imitatorin Tina Fey) und um 20 Uhr 15 der US-Film „The Sentinel “.

Über die Woche verteilen sich die Gewichte leicht anders, doch ändert sich am Gesamteindruck wenig. ZDFneo setzt auf ZDF-Wiederholungen, anderswo bewährte und zugleich variierte Programmstrecken und auf ausländische Kaufware. Und weil ZDFneo keine TV-Innovation sein will, kommt ZDFneo als ZDF light daher. Unterhaltung als der wesentliche Programmmotor macht Neo zur Alternative zum Zweiten und zugleich zur Konkurrenz für die Privaten. Das muss Zuschauer jünger als 61 nicht abschrecken.

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