Digitale Assistenzsysteme : Siri: „Für die Ehe bin ich nicht geschaffen“

Medienredakteur Kurt Sagatz prüft die digitale Assistentin "Siri" und entdeckt Parallelen zu Stanley Kubricks "Odyssee im Weltraum".

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Medienredakteur Kurt Sagatz
Medienredakteur Kurt SagatzFoto: Kai-Uwe Heinrich

Das Zitat hat Filmgeschichte geschrieben: „Es tut mir leid, Dave, aber ich fürchte, ich kann das nicht tun.“ Der Angesprochene, der Astronaut Dave Bowman, eine Figur aus dem Science-Fiction-Klassiker „2001 – Odyssee im Weltraum“, flottiert im Weltall.  Und mit diesem Satz teilt der Bordcomputer namens „HAL 9000“ ihm mit, dass er ihm nicht gestatten wird, das Raumschiff wieder zu betreten. Mit ungerührter Stimme gibt HAL dem Astronauten in Stanley Kubricks Kultfilm aus dem Jahr 1968 zu verstehen, dass eine Weiterführung des Gesprächs zwecklos ist, da hilft kein Bitten und kein Betteln.

Ein schöneres Sinnbild für die Macht des Computers und die Ohnmacht der Vernunft, wie es der Informatiker Joseph Weizenbaum später postulierte, lässt sich kaum finden. Intelligente Computer können genauso erbarmungslos sein wie Menschen. Dabei galt HAL anfangs als hilfreiches Besatzungsmitglied (wenn man übrigens die Buchstaben seines Namens durch den jeweils nächsten Buchstaben im Alphabet ersetzt, ergibt sich daraus der Firmenname IBM). Doch als der Mannschaft klar wird, dass auch HAL nicht unfehlbar ist und versucht, ihn abzuschalten, kommt es zur Katastrophe, zum tödlichen Existenzkampf zwischen Mensch und Maschine.

Das US-Unternehmen Apple könnte von einer Katastrophe kaum weiter entfernt sein . Das Unternehmen hangelt sich von Erfolg zu Erfolg und ist das zur Zeit wertvollste IT-Unternehmen der Welt. Auch Apple hat ein persönliches Assistenzsystem namens Siri für seine iPads und iPhones. Siri hört aufs Wort und weiß auf erstaunlich viele Fragen Antworten, häufig sogar die richtigen. Doch von einem nahezu unfehlbaren Supersystem ist Siri noch weit entfernt, auch wenn die neueste Version sogar Fragen zu den wichtigsten (amerikanischen) Sportarten zulässt. Nun bekommt Siri einen neuen Trainer. Apple hat den Suchmaschinen-Experten und Computerwissenschaftler William Stasior verpflichtet. Nach seiner Promotion am MIT ging er zu Oracle und Alta Vista, zuletzt war er für die Suchdienste des weltgrößten Online-Händlers Amazon zuständig. Nun also soll er Siri dazu befähigen, aus den Tiefen des Internets die gesuchten Informationen zutage zu fördern, um die noch vorhandenen Wissenslücken zu füllen.

Den wesentlichen Gedanken hat Stanley Kubrick in „Odyssee im Weltraum“ bereits bildlich formuliert, indem er die Technik auf ein großes Linsenauge reduzierte. Entscheidend ist die Intelligenz dahinter. Die Assistenzsysteme von Apple und Google reagieren zur Zeit nur auf gezielte Ansprache. In nicht allzu ferner Zukunft werden sie selbstständig entscheiden können, wann sie gefragt sind. Vielleicht kommt nach der PC-, Smartphone- und Tablet-Ära ja tatsächlich das magische Auge. Eine allzu menschliche Beziehung zur Maschine sollten wir dennoch nicht erwarten. Auf die Frage „Willst du mich heiraten?“ ist Siri bereits vorbereitet: „Ich bin nicht für die Ehe geschaffen.“

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