Digital : Abofallen: Von Kochtipps bis Routenplaner

Abofallen im Internet sind aus Sicht von Verbraucherschützern ein Dauerproblem. „Die Fallen lauern hinter den verschiedensten Themen“, sagt Jutta Gurkmann vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin. „Die Bandbreite reicht von Kochrezepten über Mode-Outlets bis hin zu Routenplanern.“ Daher seien auch nicht nur alte Menschen oder Kinder von dem Problem betroffen, sondern alle Bevölkerungsschichten und Bildungsstufen. Eine genaue Zahl der Fälle sei allerdings nur schwer zu ermitteln. Hoffnung legen die Verbraucherschützer in neue gesetzliche Regelungen.

Seit dieser Woche findet am Hamburger Landgericht ein Prozess um Internetbetrug mit Abofallen in Millionenhöhe statt. Am Mittwoch wurde die Anklage gegen sieben Männer und eine Frau unter anderem wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs verlesen. Laut Anklage prellten sie knapp 70 000 Internetnutzer mit versteckten Kostenhinweisen, präparierten Webseiten und sogenannten „Vertipperdomains“ um mehr als fünf Millionen Euro. Der Prozess soll am Mittwoch kommender Woche fortgesetzt werden. Ein Urteil wird nicht vor Ende Januar 2012 erwartet.

Verbraucher tappten oft unbemerkt in Abofallen, erklärt Gurkmann. Denn die Kosten seien in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt oder seien am Ende der Internetseite in kleiner Schrift verborgen. „Unseriöse Anbieter nutzen den Spielraum aus, den ihnen die Gesetze bieten“, sagt die Referentin Wirtschaftsrecht. „Das ist ein wenig wie das Hase-und-Igel-Spiel.“ In Zukunft werde das Problem jedoch an Bedeutung verlieren, hofft die Verbraucherschützerin. Die Bundesregierung hat im August einen Gesetzesentwurf beschlossen, der Internetanbieter verpflichtet, ihre Nutzer mit einem deutlichen Hinweis über den genauen Preis zu informieren. Erst nach einer Bestätigung der Zahlungsinformation per Mausklick gehen die Verbraucher eine Zahlungsverpflichtung ein.

„Damit soll es Verbrauchern künftig bewusst gemacht werden, dass sie ein kostenpflichtiges Angebot wählen“, sagt Gurkmann. Auf diese Weise würden sie sich von Mahnschreiben dann nicht mehr ohne Weiteres einschüchtern lassen. Den Betroffenen empfehlen die Experten, ungerechtfertigte Rechnungen auf keinen Fall zu bezahlen und gegen Mahnbescheide per Einschreiben mit Rückschein Widerspruch einzulegen. dpa/Tsp

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