Aktien-Spam : Vorsicht bei Anleger-Mails

Per E-Mail werden verstärkt Wertpapiere mit "neuesten Insider-Informationen" empfohlen. Auch wenn die Mails häufig in den Spamordner aussortiert werden, gibt es immer wieder Anleger, die auf die Tipps „hereinfallen“.

Pablo Silalahi

„Lieber Aktienfreund, aufgrund erfreulicher Informationen wird der Kurs von Aktie XY deutlich nach oben steigen.“ In dubiosen Mails werden in letzter Zeit verstärkt Wertpapiere von bekannten und unbekannten Unternehmen wärmstens empfohlen, in denen es vor neuesten Insider-Informationen nur so wimmelt. Da ist nicht nur von anstehenden Fusionen die Rede, auch über die Expansionspläne, die aus einem mittelständischen Unternehmen einen Global Player machen sollen, wird man unaufgefordert unterrichtet. Klingt informativ, ist aber eine gefährliche Angelegenheit, warnen Experten. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erläutert, dass es den Verfassern dieser Mails nur um eins geht: Den Wert einer Aktie möglichst schnell in die Höhe zu treiben. Entweder sie selbst oder ein Auftraggeber haben sich im Vorfeld Papiere des Unternehmens zu einem günstigen Preis gekauft. Ist der Wert in die Höhe getrieben, verkaufen sie ihren Anteil sofort wieder.

Den raschen Kursanstieg versuchen die Mailverfasser zu erreichen, indem sie gezielt Gerüchte in die Welt setzen, die zum Kauf einer bestimmten Aktie „anregen“. Rechtlich müssen sie dabei nichts befürchten. „Erstens ist es sehr schwer, ihrer habhaft zu werden“, so Kurz. Zweitens stelle sich die Frage, was man ihnen vorwerfen soll. „Gerüchte zu verbreiten, ist nicht strafbar.“

Auch wenn die Mails häufig in den Spamordner aussortiert werden, gibt es immer wieder Anleger, die auf die Tipps „hereinfallen“ . Jürgen Kurz unterscheidet zwei Typen: Die einen kennen das Prinzip und versuchen, davon zu profitieren, indem sie möglichst früh einsteigen und bei einem Kursanstieg ihre Aktien sofort wieder veräußern. Der zweite Typ ist gutgläubig und hält die Aktie so lange, bis der Kurs zusammenbricht. Die Unternehmen selbst wissen oftmals gar nicht, dass ihre Aktie auf diese Art beworben wird. „Den meisten ist das sehr unangenehm, weil sich die Geprellten direkt bei ihnen beschweren“, so Kurz.

Die Firmen, die sich die Mailverfasser aussuchen, haben immer das gleiche Profil: Sie haben einen geringen Umsatz und sind kaum bekannt. Auch wenn man mit ein wenig Glück von den Angeboten profitieren könnte, kennt Jürgen Kurz nur ein Verfahren, wie man mit der Post am besten umgeht: „So schnell wie möglich in den Papierkorb.“

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