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Texte, Tabellen, Termine – Privatleute können sich mit Software aus dem Internet teure Office-Pakete sparen

Kurt Sagatz

Ein Computer allein löst keine Probleme. Um seine Fähigkeiten auszuschöpfen, müssen weitere Programme installiert werden. Oder besser gesagt: mussten in der Vergangenheit installiert werden. Denn seit kurzem kann man sich den Kauf und die Installation von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm sparen. Der Internet-Suchmaschinenbetreiber Google stellt diese Programme unentgeltlich bereit – als Software aus dem Internet. Für sie reicht ein PC mit Internetzugang und ein kostenloses Google-Konto aus. „Gerade für Privatnutzer ist das eine sehr charmante Lösung, da man sich nicht mehr um Updates oder Sicherheitslücken kümmern muss“, sagt der Berliner Online-Experte Uwe Stache. Doch wie gut ist die Online-Alternative zu Microsoft Office wirklich und auf welche Haken muss man gefasst sein?

DER UNTERSCHIED ZU OFFICE

Bei Office und Co. wird auf jedem Computer das benötigte Programm installiert. Will man einen Brief schreiben, wird auf dem PC die Textverarbeitung gestartet, mit deren Hilfe man seine Gedanken niederschreibt und am Ende auf der Festplatte speichert. Bei der Google-Lösung handelt es sich um eine Anwendung, die bei Bedarf aus dem Netz geladen wird, wo auch die Texte, Tabellen, Präsentationen gespeichert werden, so dass man von jedem Internet-PC auf seine Daten zugreifen kann.

SO KOMME ICH AN DIE GOOGLE-LÖSUNG

Als Erstes wird ein Konto bei Google benötigt. Rechts oben auf der Google-Startseite unter www.google.de gibt es den Link „Anmelden“. Darüber kann man entweder ein neues Konto eröffnen oder sich bei einem bestehenden anmelden. Nun gelangt man über „Mein Konto“ auf die Seite mit den Google-Anwendungen, darunter „Text & Tabellen“. Ein Klick darauf öffnet die Seite, mit der vorhandene Dateien verwaltet sowie neue Texte, Tabellen und Präsentationen erstellt werden. Um die Google-Programme nutzen zu können, wird ein aktuelles Internetprogramm benötigt, zudem müssen Javascript und Cookies aktiviert sein. Mac- Nutzer können die Google-Anwendungen ebenfalls einsetzen.

VOR DATENVERLUST GESCHÜTZT

Der Anwender bestimmt, wer die Dateien einsehen kann – er selbst, eine Arbeitsgruppe oder jeder beliebige Internet-Nutzer. Dass Texte einfach verschwinden, wenn die Internetverbindung einmal unterbrochen sein sollte, muss man nicht befürchten. Die Dateien werden in sehr kurzen Intervallen automatisch gespeichert, so dass selbst bei einem Stromausfall nur kleine Teile des Textes verloren gehen. Zudem informiert eine Warnmeldung den Nutzer, dass sein Text nicht mehr gespeichert werden kann. Er hat nun die Möglichkeit, den Text beispielsweise als RTF- oder Word-Datei auf die eigene Festplatte zu speichern. Allerdings werden in erster Linie Microsoft- kompatible Formate unterstützt, Open Office komme hingegen zu kurz, bemängelt Internetexperte Uwe Stache. Zudem fehlt noch die Unterstützung des XML- Formats von Microsoft Office 2007.

WAS LEISTEN DIE PROGRAMME?

Die Google-Textverarbeitung unterstützt die gebräuchlichsten Funktionen zum Formatieren. Neben Fett, Kursiv oder Unterstrichen kann zwischen mehreren Schriftarten ausgewählt werden, auch die Textgröße und die Farbe lassen sich einstellen. Texte lassen sich drucken, als E-Mail verschicken oder im Internet veröffentlichen, eine Rechtschreibprüfung ist ebenfalls vorhanden. Man hat ferner die Möglichkeit, den Text zur Bearbeitung in einer Arbeitsgruppe freizugeben. Zu den Einschränkungen gehört, dass in der Textverarbeitung die Seitenansicht, das Lineal sowie die Kopf- und Fußzeilenfunktion fehlen. Ähnlich sieht es bei Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm aus: Auch sie sind in der Funktionsfülle eingeschränkt, aber für viele Standardaufgaben ausreichend.

MIT UND OHNE GOOGLE-MAIL

Zum Internet-Softwarepaket von Google gehört auch eine Online-Kalenderfunktion. Der Import von Outlook-Dateien ist zwar möglich, die einfache Synchronisation mit Outlook, wie sie andere Internetkalender bieten, fehlt jedoch genauso wie der Datenabgleich mit einem Handy. Um seine Kontakte zu verwalten, wird Google Mail benötigt. Wer seine Mails bei einem anderen Provider hat, sollte zuerst prüfen, ob sein Provider nicht eine für ihn bessere Kontakt- und Kalenderfunktion bereithält.

FAZIT: BEDINGT EMPFEHLENSWERT

Wer über eine Internetflatrate verfügt und nur ab und zu einen Brief schreibt oder eine Grußkarte erstellen möchte, ist mit den Google-Programmen gut bedient. Möchte man seine Korrespondenz allerdings individueller gestalten oder bei den Präsentationen auf eigene Vorlagen zurückgreifen, muss es nach wie vor entweder das kostenpflichtige Microsoft Office oder das unentgeltliche OpenOffice sein – zumindest derzeit. Denn Google arbeitet bereits jetzt an neuen Funktionen für seine Programme.

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