Angies Fans : Die Bundesregierung bei Facebook

Merkel, Westerwelle, Brüderle: Welche Politiker der Bundesregierung das soziale Netzwerk Facebook nutzen - und wer sich noch nicht angemeldet hat.

Janina Guthke
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Wer macht was bei Facebook?Foto: dpa

Entspannt lächelt Angela Merkel in die Kamera. Das Gesicht auf dem Profilfoto des Facebook-Kontos der Bundeskanzlerin versprüht Optimismus. „Angela Merkel nimmt heute an den Sitzungen von Präsidium und Bundesvorstand der CDU Deutschlands teil.“ 31 285 Fans konnten diesen Eintrag am Montag auf ihrer persönlichen Startseite lesen. Seit vergangener Woche heißen „Fans“ bei dem sozialen Netzwerk offiziell: Personen, denen das gefällt. So sollen mehr Nutzer dazu animiert werden, sich für Politiker oder Marken auszusprechen. Bis auf den Namen hat sich für die „Fans“ bei Facebook jedoch nichts geändert.

Wenn sich deutsche Politiker mit dem Internet auseinandersetzen, ernten sie oft Kopfschütteln. Zuletzt traf es Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, die in einem offenen Brief an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Anfang April die „eklatanten Missstände“ beklagt hatte. Sollte das Netzwerk seine Datenschutzbestimmungen nicht verbessern, werde sie ihr Konto löschen, drohte die Ministerin. Facebook hat bisher der Forderung von Aigner nicht entsprochen, Mitglied ist sie trotzdem noch. In ihrem Profil informiert sie vor allem über ihre Fernsehauftritte und verbreitet Pressemitteilungen.

Die Seite der Bundeskanzlerin wirkt persönlicher. Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok reisen, wäre ihr Traum, erfahren ihre Fans, auch auf Englisch. Als Klassenprimus steht Angela Merkel an der Spitze der deutschen Regierungspolitiker in dem weltweit größten sozialen Netzwerk mit seinen 400 Millionen Nutzern, davon 7,5 Millionen in Deutschland. Das letzte AC/DC-Konzert in München sei klasse gewesen, schreibt Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg. 23 912 Fans folgen den ansonsten unregelmäßig hochgestellten Videobeiträgen und Zeitungsartikeln. Bundesaußenminister Guido Westerwelle folgt weit abgeschlagen mit rund 15 000 Fans weniger. Die Interviews, Statements und Wahlkampfreden des FDP-Politikers gefallen nur 7915 Facebook-Nutzern. Deutlich erfolgreicher ist dagegen die Seite „Kann dieser herzlose Streuselkuchen mehr Fans haben als Guido Westerwelle?“ 14 237 Nutzer fanden Gefallen an der Idee, die es auch mit Hartz-IV-Empfängern und Hausbesen gibt. Auch die Jungen preschen nicht voran. „Ich bin zufrieden mit der ersten Sitzung des Runden Tisches“, schreibt Kristina Schröder auf ihrer Seite. 1674 Fans folgen der jungen CDU-Politikerin, die auch mal solch persönliche Einschätzungen postet. Sonst verrät die Bundesministern für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nicht viel über sich. Noch weniger erzählt Ursula von der Leyen. Die Facebook-Seite der Bundesministerin für Arbeit und Soziales gleicht einer verlassenen Filmkulisse. Bis heute hat die CDU-Politikerin keinen einzigen Beitrag geschrieben. Warum? "Die Seite ist ein Fake", sagte ihr Sprecher dem Tagesspiegel. Die Ministerin habe keine eigene Seite bei Facebook. Vielleicht ein Zeichen für ihr gespanntes Verhältnis zum Internet? Durch Sperrung von Webseiten wollte von der Leyen gegen Kinderpornografie vorgehen. Scharfe Kritik und der Schmähname „Zensursula“ waren die Folge. Rainer Brüderle hat seine Facebook-Seite wohl vergessen. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie überlässt seine Pinnwand den Fans. „Hier ist ja nichts los, genau wie in der Wirtschaftspolitik“, witzelt ein Kommentator. Mit 296 Sympathisanten bildet Brüderle das Schlusslicht der deutschen Regierungspolitiker bei Facebook.

Zumindest ist er angemeldet. Vier Regierungsmitglieder tauchen gar nicht erst auf. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, besitzt keine öffentliche Facebook-Seite. Auch der Innenminister Thomas de Maizière ist bei Facebook ebenso wenig auffindbar wie Ronald Pofalla, Minister für besondere Aufgaben. Wer nach Dirk Niebel sucht, findet nur eine Seite, die den Rücktritt des Bundesministers für Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung fordert.

Nach der bis dato beispiellosen „Web 2.0“-Kampagne Barack Obamas im Jahr 2008 entdeckten viele deutsche Politiker die sozialen Netzwerke. Viel blieb nicht von der Euphorie, der erhoffte Hype setzte nicht ein. Der US-Präsident liegt mit acht Millionen Fans bei Facebook an der Spitze.

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