Apple iPhone 5 : Lohnt sich der Kauf?

Die neuen iPhones sind da! Richtig gelesen, gleich zwei neue Smartphones bringt Apple diesmal auf den Markt: das iPhone 5S, also die aufgemotzte Version des iPhone 5, und das iPhone 5C mit der altbewährten Technik des 5ers, aber dafür mit knalligem Kunststoffgehäuse. Doch spektakulär ist anders. Lohnt sich hier überhaupt der Kauf?

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Für jeden Hipster etwas dabei – das iPhone 5C in fünf Farben.
Für jeden Hipster etwas dabei – das iPhone 5C in fünf Farben.Foto: promo

Apple hat ein Geheimhaltungsproblem. Bereits Wochen vor der offiziellen Präsentation am 10. September sind nahezu alle Fakten zu den neuen iPhones 5S und 5C durchgesickert. Entsprechend unspektakulär wurden die verkündeten Fakten auf der Pressekonferenz des kalifornischen Konzerns aufgenommen. Ja, es gibt ein iPhone 5C und das C steht tatsächlich für „Color“. Dementsprechend ist dieses Modell in den vier knalligen Farbtönen Pink, Gelb, Grün und Blau sowie in Weiß erhältlich. Von vorne sieht es exakt so aus, wie alle anderen iPhone-Generationen zuvor. Nur die hochglanzlackierte Hülle aus Kunststoff ist neu. Die Technik wurde 1:1 aus dem seit einem Jahr erhältlichen iPhone 5 übernommen. Das einzige Update bekam lediglich das LTE-Funkmodul, wodurch das iPhone in mehr LTE-Netzen surfen kann. Laut Apple sogar in „mehr LTE-Bändern als jedes andere Smartphone der Welt“. Und die FaceTime genannte Frontkamera des iPhones soll jetzt über eine höhere Qualität verfügen. Das war’s.

iPhone - will ich haben, trotz Plastik, aber billiger!

Doch Apple wäre nicht Apple, wenn sie es nicht dennoch schaffen würden, ein Will-ich-haben-Gefühl auszulösen. Und tatsächlich, das bunte Kunststoffgehäuse verpasst trotz seiner Banalität dem iPhone einen neuen Spaß- und Hipnessfaktor, der dem seriösen Original abhanden gekommen ist. Wer braucht schon diamantgeschliffene Kanten wie beim iPhone 5S? Während das klassische iPhone mittlerweile die kühle Eleganz eines Businessanzugs ausstrahlt ist das iPhone 5C wie eine Jeans von H&M: trendy, auffällig und lässig. Nur billig wie eine H&M-Jeans ist das jugendliche iPhone nicht. Und das ist der Haken an der Geschichte mit dem 5C. Es sieht so aus, als ob es perfekt für junge und junggebliebene Zielgruppen wäre, die mehr Wert auf coolen Style als auf neueste Technologien und High-End-Qualität legen. Dafür wollen sie aber auch ein paar Hunderter weniger hinblättern, um den Rest in Klamotten zu investieren. Doch nix da. Apple verlangt für das 5C mit 16-GB-Speicher happige 599 Euro.

Jetzt auch in Gold – das iPhone 5S
Jetzt auch in Gold – das iPhone 5SFoto: promo

Der spontane iPhone-5C-Kauf wird vor allem durch die zweite Neuheit von Apple verhindert: das iPhone 5S. Es bietet wesentlich mehr Technik und Qualität bei einem Aufpreis von „nur“ 100 Euro. So ist die 16-GB-Version ab 699 Euro erhältlich. Natürlich auch kein Schnäppchen, aber wer bereit ist 599 Euro für ein Plastik-iPhone mit der Technik von 2012 auszugeben, der wird ins Grübeln kommen, ob ein Hunderter mehr für das 5S nicht die bessere Investition wäre. Aber zunächst die weiteren Fakten des Topmodells: Ja, es sieht tatsächlich exakt so aus wie der Vorgänger, ist jetzt aber in drei neuen Farbtönen erhältlich: Silber, Spacegrau und Gold. – Schick, aber eben spaßfrei. 

iPhone 5S: altbewährtes Design, aber spaßfrei

Die wirklichen Highlights des 5S sind an einer Hand abgezählt, doch immerhin vorhanden: Ein völlig neuer A7 genannter Chip der erstmals über eine 64-Bit Architektur verfügt und damit doppelt so schnell ist wie der A6-Chip mit 32-Bit im 5C. Dazu gibt es einen sogenannten M7 Motion Coprozessor, der den Hauptprozessor entlasten soll, um Energie zu sparen. Er verarbeitet alle Daten, die vom Beschleunigungssensor, Gyrosensor und dem Kompass kommen wesentlich effizienter als der A7-Chip. Eine neue iSight Kamera, die zwar nicht mehr als die 8-Megapixel des Vorgängerin bietet, dafür aber mit größeren Pixel aufwartet, die für mehr Lichtempfindlichkeit und besseren Dynamikumfang sorgen. Zudem sorgt ein neuer „True Tone Blitz“ für natürliche Farben bei Fotos in dunkler Umgebung. Ebenso wie das 5C verfügt das 5S über das neue LTE-Modul, welches in Deutschland die LTE-Frequenzen der Telekom und von Vodafone unterstützt. Und dann gibt es da noch den umstrittenen Fingerabdrucksensor, der sich in der Hometaste befindet.

Gold, Silver und Spacegrau sind die neuen Farbtöne des iPhone 5S.
Gold, Silver und Spacegrau sind die neuen Farbtöne des iPhone 5S.Foto: promo

So hat sich mal wieder einiges unter der Haube des iPhones getan, was man von außen aber nicht sieht. Menschen, die auf die inneren Werte abzielen und nicht auf Effekthascherei stehen wird es freuen. Alle, die deutlich sichtbaren Fortschritt mögen, werden eher enttäuscht. Erstaunlich ist, dass Apple sich beim 5S geradezu rechtfertigt für das Produkt. So wird auf Apples Website bei der Produktbeschreibung erklärt: „Es zeigt nicht einfach, was technologisch möglich ist. Sondern was technologisch sinnvoll ist. Es geht nicht darum, was als Nächstes kommt. Sondern was als Nächstes kommen sollte.“ Es ist offensichtlich ein Seitenhieb auf die mit Superlativen gespickte Konkurrenz und eine Rechfertigung dafür, warum es kein 5-Zoll-Display hat, warum keine 12 oder mehr Megapixel-Kamera drin steckt und warum das Design nicht neu erfunden wurde. Man soll also Apple vertrauen, dass nicht alle Entwicklungen der Konkurrenz sinnvoll sind und Apple dem Kunden keine Experimente zumuten möchte. Stattdessen soll das iPhone eine optimale User-Performance bieten indem alle Komponenten des iPhone 5S perfekt aufeinander abgestimmt wurden, um noch bessere Fotos, noch bessere Filmaufnahmen (sogar in Zeitlupe) und eindrucksvollere Spiele sowie Apps zu ermöglichen. Das ist eine tolle Evolution, keine Revolution. 

Warum nicht mal in Babyblau - das neue iPhone 5C.
Warum nicht mal in Babyblau - das neue iPhone 5C.Foto: promo

Das Fettnäpfchen: Der Fingerabdruck-Scanner

Ein sogenanntes Killer-Feature sollte vermutlich der Fingerabdruck-Scanner in der Hometaste werden. Eine gute Idee, kein Passwort mehr zig mal pro Tag eingeben zu müssen. Einfach nur den Fingerabdruck einmal abspeichern und die intelligente Software erkennt den User sobald er oder sie den Homebutton berührt. So können bis zu fünf Benutzer eines Gerätes gespeichert werden. Dahinter steckt eine komplexe Technologie, die normalerweise Erstaunen hervorrufen würde. Stattdessen erweckt sie durch die Spionageenthüllungen Edward Snowdens Skepsis und Misstrauen. Und so wurde der „Touch ID“ genannte Fingerabdruck-Scanner leider zum Fettnäpfchen bei der iPhone-Präsentation. Passend dazu ein junges Zitat von Facebook-Chef Mark Zuckerberg: „Die US-Regierung hat es verbockt“. Durch die NSA-Affäre und die Tatsache, dass Daten von Unternehmen wie Facebook, Google, Microsoft und Apple dem US-Geheimdienst zur Verfügung gestellt werden, ist das Misstrauen der User groß. Apple versichert hingegen, dass der Fingerabdruck nur in kodierter Form auf dem Chip des iPhones gespeichert wird und nicht auf irgendwelchen Servern. Eigentlich eine gute Idee, aber leider ein schlechtes Timing für dieses Killer-Feature. 

Nichtsdestotrotz: Der Vorverkauf bei den Providern hat bereits begonnen. Die Telekom, Vodafone und O2 werben ganz prominent mit ihren Online-Reservierungslisten um Vorbestellungen. Am 20. September sind die neuen Geräte offiziell in den Apple-Stores erhältlich. Soll man sich also das neue iPhone 5S gönnen oder eher nicht? Sagen wir es mal so: Das iPhone 5S ist sicherlich das beste iPhone aller Zeiten. Insbesondere die Foto und Videoqualität, die Spieleperformance und die allgemeine Rechenpower haben deutlich zugelegt. Der Fingerabdrucksensor ist ein tolles Feature für alle, die Apple vertrauen. Wer ein iPhone 5 besitzt, der muss nicht unbedingt umsteigen. Vom iPhone 4S wird man schon einen sehr deutlichen Fortschritt merken und erst recht vom iPhone 4.

Eine Empfehlung für das iPhone 5C auszusprechen fällt indes schwer, denn für 100 Euro mehr bekommt man schon das bessere iPhone. Als auffälliges und demonstrativ jugendliches Modeaccessoire taugt hingegen das 5C besser. Doch die wohl augenfälligste und tiefgreifendste Erneuerung der beiden iPhones wird das am 18. September veröffentlichte neue Betriebssystem iOS 7 sein. Zum ersten Mal in der iPhone-Geschichte bekommt das Betriebssystem ein völlig neues Design verpasst. Das ist mehr als nur eine Evolution.   

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