Apple : Vom iPhone zum SpyPhone

Totale Überwachung ist totale Sicherheit. Das scheint man zumindest beim US- Unternehmen Apple in Cupertino zu glauben.

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In einem jetzt veröffentlichten Patentantrag von Apple Inc. wird eine auf den ersten Blick sensationelle Diebstahlsicherung für elektronische Geräte wie iPhone-Handys, iPad-Tablet-PCs oder iPod-Touch-Musikgeräte beschrieben. Sobald die „Systeme und Methoden zur Identifizierung unautorisierter Nutzer eines elektronischen Gerätes“ Alarm schlagen, werden Programme geschlossen oder das gesamte Gerät notabgeschaltet. Sensible Daten würden fernausgelöst vom Gerät gelöscht, und mithilfe der Positionsdaten ließe sich das Gerät sogar orten. Zudem könnte das iPhone Fotos des Diebes schießen und an eine Sicherheitszentrale schicken. Ein derart geschütztes SpyPhone wäre für keinen Dieb mehr von Interesse, da die Hardware nicht mehr zu nutzen wäre und man auch an die darauf gespeicherten Daten nicht herankäme.

Von Apple gab es zu diesem Thema am Dienstag kein Statement. Denn was für einige iPhone-Besitzer die Lösung eines großen Problems darstellen kann, kommt für viele Menschen der Rundum-Überwachung wie in George Orwells Roman „1984“ sehr nahe. Dagegen würde sogar die Aufregung über Google Street View verblassen.

Denn diese Sicherheit hat einen hohen Preis: Um bei „verdächtigem Verhalten“ festzustellen, ob das Gerät entwendet wurde, prüft die Diebstahlsicherung, ob Stimme, Gesicht oder Herzfrequenz mit den zuvor registrierten Personen übereinstimmen. Die Prüfung könnte stattfinden, wenn die SIM-Karte getauscht, das Handy entsperrt oder ein Versuch unternommen wurde, das iPhone zu hacken. Auch das seit kurzem offiziell erlaubte Entfernen der Bindung an einen bestimmten Mobilfunkbetreiber – das Jailbreaking – könnte als Indiz für einen Diebstahl gewertet werden. Im schlimmsten Fall würde das iPhone ebenfalls gesperrt.

Dabei verfügen Handys bereits jetzt über eine eindeutige Identifikationsnummer. Mit der 15-stelligen IMEI-Nummer (Handybefehl *#06#) kann ein gestohlenes Handy ganz ohne Überwachungstechnik gesperrt werden. Das Apple-Patent sprengt jeden bekannten Rahmen. Sogar verdeckte Kontrollen sind möglich. Der Nutzer würde nicht erfahren, dass gerade eine Gesichtserkennung oder ein Stimmvergleich stattfindet. Und die eingebaute Kamera schießt unterdessen Fotos von der Umgebung, um so die Position auch ohne eingeschaltete GPS-Funktion zu bestimmen. Nicht nur wer unter Paranoia leidet, könnte auf diesen Diebstahlschutz verzichten wollen.

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