Bingen am Rhein : Jan Schulz-Ojala besichtigt die Google-Konkurrenz

Na schön: Bing. Warum auch immer googeln? Die neue Suchmaschinen-Vereinigung von Microsoft und Yahoo, die das Geschäft der abgeschlagenen Google-Konkurrenz beleben will, hat ein neugieriges Blicklein verdient.

Jan Schulz-Ojala

Zumal auch der Duden sich auf frische Einträge freut. Ich binge, du bingst, er sie es bingt. Wir bingen (am Rhein und anderswo). Und, anders als das Schwachverb „googeln“ dürfte „bingen“ zumindest beugungsmäßig stark rauskommen: bingen, bang, gebungen.

Soweit also alles gebongt für den Angriff auf den Netzriesen Google. Wenn da die Fototapete auf der Bing-Startseite nicht wäre. Wo Google einst aus der Not des lahmenden Internet die Tugend optischer Schlichtheit machte, setzt nun Bing auf den täglich wechselnden BonusSchnappschuss gehobener Art. Wer am Montag etwa „Frieden auf Erden“ bang, sah das Suchfeld umzingelt von nächtlichen Blitzen über Sydney. Oder wer unlängst „Steuerliche Probleme beim Aufbau einer Schweinezucht in Neuseeland“ bingen wollte, wurde einer geschmackvoll illuminierten Vedute des mittelalterlichen Brügge ansichtig.

Statt den Bingenden flugs zum Ziel zu bingen, erweist sich die Startseite als zweifache Stolperfalle. Die einen versinken angesichts des kollektivromantischen Fotoalbums in Fernweh und lassen jedwede andere Suchbewegung fahren. Die anderen – es sind jene, die etwa bei Ikea die Wandschmuckfotokunstabteilung besonders eilig durchschreiten – verfluchen den virtuellen Postkartenständer für den Allerweltsgeschmack sowie das Zeitalter des zügigen digitalen Bildaufbaus. Bingst du noch, fragen sie bohrenden Blicks ihre Freunde, oder googelst du schon (wieder)?

Microsoft zeigt sich von derlei edelgeschmäcklerischen Einwänden eher beflügelt. Und setzt erst recht auf Regionalisierung, Popularisierung und visuelle Vollversorgung. Also künftig eher Steglitz statt Sydney und Beeskow statt Brügge. Facebook-Nutzer übrigens, die den Wettbewerb nicht scheuen, landen schon heute mit ihren schönsten Urlaubsfotos in der Bing-Galerie. Bahn frei für Fiffi in der Fuldaer Fußgängerzone!

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