Blogger-Kolumne : Jetzt fehlt nur noch Kühlschrank-View

Street View, Interior View: Unser Kolumnist möchte nie wieder von der Couch aufstehen. Dazu braucht es eigentlich nur noch ein weiteres Internet-Tool.

Johnny Haeusler
Johnny Haeusler.
Johnny Haeusler.Foto: Privat

Schon gesehen? Das Google-Projekt „Interior View“ (Innenansicht), mit dem man via Internet durch rundum fotografierte Straßenzüge spazieren kann, wurde um weitere Ansichten erweitert und lässt nun auch den Rundgang durch Geschäfte zu. Noch gilt die Innenansicht als Testprojekt, an dem bisher nur wenige US-amerikanische Shops teilnehmen können, und vielleicht ist dies auch ein Grund, warum die Bedienung noch sehr umständlich ist: Nach einer Suche über Google Maps, zum Beispiel nach „Scream Sorbet, Oakland“, klickt man auf den Namen des Geschäfts und dann auf das kleine Foto rechts unter der Kartenansicht. Danach kann man in aller Couch-Surfer-Ruhe durch den kleinen Shop manövrieren. Bei einem Eisladen ist das allerdings ein frustrierendes Erlebnis, nämlich wenn gerade wieder kein Scream Sorbet im Interior des eigenen Kühlschranks zu sehen ist. Wie praktisch wäre es, wenn man auch das vom Sofa aus überprüfen könnte! „Google Fridge View“, und schon müssen wir wirklich nicht mehr aufstehen.

Ich werde diese sicher gewinnbringende Idee – denken Sie an die Möglichkeiten für Werbung in den Kühlschränken der vernetzten Welt – gleich mal Google vorschlagen. Ich glaube, denen gehen die Ideen aus, auch „Interior View“ ist ja ein alter Hut: Der deutsche Konkurrent sightwalk.de bietet die Innenansicht ausgewählter Geschäfte schon länger an, und bereits vor eineinhalb Jahren zückte Martin Sonneborn seine Kameras und fotografierte für das fingierte „Google Home View“ deutsche Wohn- und Schlafzimmer (wer es verpasst hat: Ein Mitschnitt der Sendung ist auf Youtube zu finden, was, natürlich, Google gehört). Damals war das als Satire gemeint, im Rückblick betrachtet war es weise Voraussicht.

Die besten Schnappschüsse von Google Street View
Gefragt nach seiner Adresse, antwortete der Bewohner: "Dritter Laternenpfahl links".Weitere Bilder anzeigen
1 von 48Foto: Google Streetview
07.11.2011 13:09Gefragt nach seiner Adresse, antwortete der Bewohner: "Dritter Laternenpfahl links".

Sonneborn drückte den Bewohnern bei seinem Besuch schwarze Pappbalken in die Hand, die sie sich während der Aufnahmen vor die Augen halten konnten, aus Datenschutzgründen, und karikierte die durch Boulevardmedien angeheizte Street-View-Debatte. In Deutschland war man sich ein paar Wochen lang irrtümlicherweise sicher, dass Street View ein ständig aktualisiertes Livebild unserer Behausungen ins Internet senden würde. Und so ließen einige Hausbesitzer sicherheitshalber ihr Eigentum von Google verpixeln. Das Ergebnis: Wer sich heute über Street View in Deutschland umsieht, erkennt an jeder grauen Fläche, wo „Bild“-Leser wohnen.

Ich weiß, ich übertreibe. Datenschutz ist ein ernstes Thema. Für den Fall, dass Google „Interior View“ auch in Deutschland startet, bin ich daher gespannt darauf, welche Nachteile Ladeninhaber im virtuellen Rundgang durch ihre Geschäfte entdecken werden. Und auch darauf, wie Google die Autos in die Läden reinbekommt.

Der Autor betreibt das Weblog www.spreeblick.com und ist Mitveranstalter der jährlichen Konferenz re:publica.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben