CES : Billige Bytes

Was ursprünglich für die Entwicklungsländer gedacht war, stößt mittlerweile auch im Rest der Welt auf viel Interesse. Auf der Elektronikmesse CES sind Billigrechner zu Preisen um 200 Dollar sehr gefragt.

Markus Frania
Billigrechner
Das Original: Der XO des One-Laptop-per-Child-Projects. -Foto: ddp

BerlinAm Anfang stand eine Idee: Kinder in Entwicklungsländern sollten mit preisgünstigen Rechnern versorgt werden. So plante es jedenfalls Nicholas Negroponte, früher Leiter des Medienlabors am Massachusetts Institute of Technology (MIT), als er 2005 die Initiative „One Laptop per Child“ (OLPC) gründete. Nach und nach holte er sich prominente Unterstützer aus der Technologiebranche ins Boot, die ihn auf seiner Mission unterstützen sollten. Aber genau da gibt es jetzt ein Problem: Offensichtlich treibt einige Partner noch etwas anderes an, als soziales Engagement. Zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt - kurz vor Beginn der Elektronikmesse CES - hat sich der Chiphersteller Intel vom OLPC-Projekt verabschiedet. Offiziell, weil beide Seiten in eine „philosophische Sackgasse“ gelangt seien, wie Intel-Sprecher Chuck Mulloy etwas schwammig formulierte. Was er nicht sagte: Intel wollte neben dem Negroponte-Rechner noch eine kommerzielle Variante namens Classmate entwickeln. Negroponte bestand dagegen auf Exklusivität. Der OLPC-Rechner wird jetzt von Chips des Intel-Rivalen AMD angetrieben.

Interessante Zweitrechner

Gestern Abend hielt Negroponte eine Rede auf der CES. Seine Idee preisgünstiger Rechner prägt die Messe und die gesamte Technologiebranche schon länger. Die Überlegung: Was ursprünglich für Menschen mit wenig Geld in den Entwicklungsländern gedacht war, könnte auch eine betuchtere Kundschaft interessieren – als Zweitrechner für unterwegs.

So kündigte der taiwanesische Hersteller Shuttle auf der CES einen Rechner an, der 199 Dollar kosten soll. Der KPC basiert auf dem Betriebssystem Linux und soll in verschiedenen Farben ausgeliefert werden. Eine so genannte Barebone-Variante, die vom Nutzer noch mit Komponenten, wie Arbeitsspeicher oder Laufwerk bestückt werden muss, ist für 99 Dollar geplant. Weitere technische Details oder auch einen Termin, ab wann der KPC zu kaufen ist, gibt es noch nicht.

In den USA sind abgespeckte Billig-Rechner sogar schon im Kaufhaus zu haben. So verhökert die Kette Wal-Mart den G-PC von Everex für 199 Dollar. Auf der CES soll eine kleinere Version des G-PCs vorgestellt werden.

PC für unterwegs

Der Pionier der kommerziellen Billig-Rechner ist der Eee-PC von Asus. Ende Januar soll es ihn - nach mehreren Verzögerungen - auch in Deutschland geben. Mit seinem Sieben-Zoll-Display ist das Gerät deutlich kleiner als ein gewöhnlicher Rechner und daher besonders gut für den Einsatz unterwegs geeignet, etwa um im Urlaub direkt Bilder von der Digitalkamera zu bearbeiten. Nach eigenen Angaben hat Asus im vierten Quartal des vergangenen Jahres weltweit 350.000 Eee-PCs verkauft. Der Preis: 299 Euro - etwas mehr als bei der Konkurrenz. Aber immer noch weniger, als das, was viele Kunden für ein Handy auf den Tisch legen.

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