Chrome und Firefox : Browser bieten bald mehr Schutz vor Werbern

Wer nicht will, dass Werbefirmen das eigene Surfverhalten auswerten, kann dies bald simpel ausschließen. Google und Mozilla arbeiten an entsprechender Technik.

Kai Biermann

Wenn es um die Privatsphäre ihrer Kunden geht, muss die digitale Industrie noch sehr viel besser werden – diese Forderung hat die amerikanische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) gerade aufgestellt. In einem Bericht vom Dezember 2010 konstatiert sie, dass die Datenschutzinteressen von Internetnutzern noch längst nicht von allen Firmen gewahrt würden. Zu langsam und zu gering sei der Schutz, der Verbrauchern geboten werde.

Google versucht offensichtlich, der Forderung nachzukommen und besser zu werden. In einem der offiziellen Firmenblogs kündigte der Konzern am Montag an, dass der Browser Chrome nun eine Erweiterung bekomme, mit der sich Nutzer vor dem Ausspähen durch Werbefirmen schützen können.

Genutzt wird dazu die gleiche Technik, wie sie auch Werber einsetzen: Cookies. Die kleinen, meist automatisch abgespeicherten Dateneinträge sind die derzeit wichtigste Methode, um mehr über Surfer im Internet zu erfahren. Werber verwenden sie, um Daten zu sammeln, auszuwerten und Surfern anschließend auf sie zugeschnittene Anzeigen zu präsentieren.

Wer das nicht will, muss die Cookies in seinem Browser löschen. Das geht manuell, bei den meisten inzwischen auch automatisch, beispielsweise beim Herunterfahren. Einen neuen Weg bietet nun der von Google eingesetzte Do-not-track-Cookie. Mit dieser Art Eintrag, legt der Benutzer fest, dass sein Surfverhalten nicht verfolgt werden soll. Das funktioniert ähnlich wie die deutsche Robinson-Liste. Auf der kann sich registrieren lassen, wer keine unaufgeforderte Werbung wünscht. Die Industrie hat sich verpflichtet, die Liste zu respektieren und kommt dem auch in den meisten Fällen nach. Den Anti-Werbe-Cookie speichert der Nutzer in seinem Browser. Die Server von Werbefirmen erkennen ihn und ignorieren den Nutzer bei ihren Analysen.

Das funktioniert zumindest in der Theorie. Denn wer weiter standardmäßig seine Cookieliste löscht, löscht auch diesen Cookie. Google bietet für seinen Chrome-Browser nun auch eine Funktion an, die das verhindert. Google versichert, dass jede Firma, die den zugrunde liegenden Datenschutzstandard für ein Opt-out (Abwählen) von Werbung akzeptiert, automatisch darin aufgenommen wird. Chrome fragt im Zweifel also nach, ob er das System aktualisieren soll, anschließend ist die Liste um diese Firmen erweitert.

Konkurrent Mozilla, Anbieter des beliebten Browsers Firefox, hat ebenfalls angekündigt, eine Ausblende-Technik einzubinden. Allerdings möchte das Unternehmen dabei nicht auf Cookies setzen. Beim Firefox soll ein HTTP-Header den angesurften Seiten mitteilen, dass der Nutzer nicht für das Erstellen personalisierter Werbung beobachtet werden mag.

Der Header ist eine Art Metatext, der bei der Kommunikation zwischen Browser und Server ausgetauscht wird. Er ist beispielsweise wichtig, damit der Server weiß, welcher Browser ihm gegenüber sitzt und eine entsprechend optimierte Website anbieten kann.

"Wir glauben, dass der Ansatz mit dem Header langfristig die für das Netz bessere Lösung ist, weil er eindeutiger und universaler als Cookies oder eine Blacklist übermittelt, dass man nicht getrackt werden will", schreibt Alex Fowler in seinem Blog. Fowler ist bei der Mozillastiftung für Datenschutz zuständig. Der Header hat den Vorteil, dass er nicht aktualisiert werden muss. Es genügt, einmal den entsprechenden Haken an seinem Browser anzuklicken.

Das Verfahren, das Fowler beschreibt, empfiehlt auch die FTC in ihrem Bericht.

Beide Wege bedeuten nicht, dass der Surfer keine Werbung mehr bekommt. Er sieht lediglich keine personalisierte Werbung, die auf der Auswertung seines Surfverhaltens basiert. Und beide sind freiwillig, die Werbewirtschaft muss sich nicht daran halten. Wer sicher gehen will, wird also weiter Werbeblocker nutzen müssen, die aktiv Zählpixel und Cookies erkennen und blockieren.

Quelle: "Zeit Online"

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