Computer : Cebit - Der Dinosaurier der IT-Messen

Die Cebit ist noch immer die weltgrößte Computermesse. Doch hat sie es zunehmend schwer, gegen spezialisierte Veranstaltungen zu bestehen.

Kai Biermann

Und dann gibt es noch die Cebit. Immerhin die weltgrößte Messe zum Thema Informationstechnik und Computer, auch wenn dieser Satz inzwischen gern mit dem Wort "noch" versehen wird. Denn die Cebit, die vom 2. bis 6. März in Hannover stattfindet, verliert an Bedeutung.

Seit Jahren sinkt die Zahl der Aussteller, 2009 gab es außerdem im Vergleich zum Vorjahr einen heftigen Einbruch von zwanzig Prozent bei der Besucherzahl. Auf das Niveau von 2001, ihrem besten Jahr, kommt sie schon lange nicht mehr. Danach sorgte die Krise der New Economy für Schwund. Inzwischen ist es wohl mehr das weltweit wachsende Angebot an Messen zum Thema IT, das den Betreibern Sorgen macht. Hinzu kommt die Schwierigkeit, mit Innovationen zu locken.

Denn wer Neuheiten in den Markt pressen will, tut das inzwischen lieber auf spezialisierten Veranstaltungen. Denn die bedeuten weniger Streuverluste, wie es im Marketing heißt. Von den Spezialmessen gibt es heute viele. Die CES in Las Vegas bietet vor allem Unterhaltungselektronik, der Mobile World Congress in Barcelona beschäftigt sich allein mit Mobiltelefonen und tragbaren Computern. Geht es um Hardware, trifft sich die Branche in Taipeh bei der Computex, geht es um Spiele, bei der E3 in Los Angeles.

Dazu haben große Firmen wie Apple, SAP oder Oracle längst ihre eigenen Fachmessen oder Events etabliert, um Produkte vorzustellen und Kontakte zu potenziellen Kunden zu knüpfen.

Die Cebit dagegen ist eine Messe, die alles bieten will und es damit immer schwerer hat. In diesem Jahr haben sich knapp 4200 Aussteller angemeldet, das sind noch einmal einhundert weniger als im vergangenen Jahr und es bedeutet wohl lediglich eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau.

Dabei hatten die Veranstalter das Konzept noch einmal überarbeitet und versucht, auf aktuellere Themen zu setzen. Der Fokus liegt nun auch nicht mehr allein auf professionellen Besuchern, Konsumenten und ihre Wünsche will man stärker widerspiegeln.

Auch etwas Glamour sollte es sein. Partnerland ist 2010 Spanien, gewünscht war daher ein Auftritt eines Mitglieds der Königsfamilie. Die hat offensichtlich abgesagt, immerhin aber wird die Show nun der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero eröffnen. Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ihr Niedergang ist nicht nur selbst verschuldet, er spiegelt auch die sinkende Bedeutung der deutschen IT-Branche. "Der IT-Standort Deutschland ist in höchster Gefahr", sagte Achim Berg, der Deutschlandchef von Microsoft, gerade in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Es gebe kaum noch deutschen Firmen, die im internationalen Wettbewerb eine Rolle spielten: "SAP und die Software AG, das war's."

Und was gibt es nun zu sehen? Die Betreiber setzen mehrere Schwerpunkte, von ökologischer Informationstechnik über dreidimensionale Darstellungen für Film und Fernsehen bis hin zu netzbasierten Anwendungen, sogenannten Cloud Applications. Zum ersten Mal wird es auch Musik als größeres Thema geben. "Cebit Sounds" soll einer der Versuche sein, der Entwicklung Rechnung zu tragen, dass Kunden mehr und mehr beeinflussen, was Firmen produzieren und anbieten.

Quelle: ZEIT ONLINE

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