Computer-Frage : Abzocker ins Leere laufen lassen

Wie kann ich mich gegen unberechtigte Abo-Rechnungen aus dem Internet wehren. Michael Terhaag, Fachanwalt für IT-Recht, antwortet.

Michael Terhaag

Ich habe eine Rechnung für ein Internet-Abonnement bekommen, kann mich aber nicht erinnern, ein solches abgeschlossen zu haben. Soll ich die Rechnung einfach wegwerfen, oder wie kann ich mich sonst wehren?



Wer sich sicher ist, kein Abonnement abgeschlossen zu haben, muss auf eine solche Rechnung nicht antworten. In den Mülleimer sollte man die Rechnung dennoch nicht werfen. Wer beispielsweise eine Strafanzeige stellen will, sollte der Polizei die unberechtigte Rechnung mit vorlegen. Falls man sich aber doch bei einem vermeintlich kostenlosen Download-Portal registriert hat, ohne zu merken, dass dort im Kleingedruckten eine Kostenpflicht geregelt ist, sollte man zumindest kurz reagieren und die Betreiber schriftlich darauf hinweisen, dass man sich getäuscht fühlt und von einem vermeintlichen Vertrag Abstand nimmt.

Glücklicherweise entscheiden Gerichte in jüngster Zeit immer häufiger zugunsten der in diesen Fällen völlig überraschten Abonnenten. Nach einem gerade erst veröffentlichen Urteil des OLG Frankfurt (Az.: 6 U 187/07) muss der durchschnittliche Internet-Nutzer in solchen Fällen wegen der versteckten Preisangaben und der Art des Angebots nicht damit rechnen, dass solche Dienste auf einmal kostenpflichtig sind. Die meisten Portale mit solchen Abo-Fallen kommen den Anforderungen der Gerichte nicht nach. Im Ergebnis muss derjenige, der darauf reingefallen ist, die Abo-Gebühren dann auch nicht bezahlen.

Kontrollieren Sie regelmäßig ihre Kontoauszüge. Wenn von einem dieser Abzockdienste einmal zu Unrecht per Lastschrift ein Betrag abgebucht wurde, können Sie dem problemlos widersprechen. Die eigene Bank bucht den Betrag auf Ihren Hinweis dann wieder zurück auf das eigene Konto. Wer der Forderung bereits gegenüber dem Anbieter widersprochen hat, kann mögliche Post eines Inkassobüros in der Sache getrost ignorieren. In den Schreiben der Inkassobüros wird vom Schufa-Eintrag bis zur Strafanzeige mit allem Möglichen gedroht. Rechtlich gesehen sind das aber leere Drohungen.

Lediglich wenn man – was selten passiert – einen gerichtlichen Mahnbescheid erhält, obwohl die Forderung unbegründet ist, muss man tätig werden und über das beiliegende Formular in zwei Wochen Widerspruch einlegen.

Meistens reicht gegen solche haltlose Forderungen ein „dickes Fell“, damit sich die Dinge von selbst regeln. In keinem Fall sollte man zahlen, nur um seine Ruhe zu bekommen.

www.aufrecht.de/5988.html

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