COMPUTER Frage : An Michael Terhaag Experte für Online-Recht

Privates muss privat bleiben

An Michael Terhaag

Was darf mein Nachbar, mein Kunde oder ein Bekannter eigentlich über mich im Internet veröffentlichen, ohne in meine Persönlichkeitsrechte einzugreifen?

Dabei muss man zuerst einmal zwischen Meinungsäußerungen und Tatsachenbehauptungen unterscheiden. Eine reine Meinungsäußerung ist ein subjektives Werturteil, das so lange von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, bis es Schmähkritik oder gar eine Beleidigung ist. Bei Tatsachenbehauptungen muss man zwischen wahren und unwahren unterscheiden. Unwahre Behauptungen sind unzulässig, wenn sie den Betroffenen in irgendeiner Weise beeinträchtigen und nicht völlig belanglos sind. Wahre Tatsachenbehauptungen sind im Grunde immer zulässig, es sei denn, sie verletzten die Privat- oder gar Intimsphäre. Dazu zwei Beispiele: Wenn Ihr Nachbar über Sie öffentlich behauptet, das Sie immer im Halteverbot vor der Tür parken und dem ist tatsächlich so, werden Sie eine solche Aussage hinnehmen müssen. Behauptet er in einem Forum öffentlich wahrheitsgemäß, dass Sie den ganzen Sonntag nackt durch die Wohnung laufen und ständig wechselnden Damenbesuch haben, könnte dies sehr wohl in Ihre Persönlichkeitsrechte eingreifen und einen Unterlassungsanspruch auslösen.

Fühlt man sich durch Behauptungen, Werturteile oder sonstiges Privates im Internet belästigt, sollte man die Webseiten sofort ausdrucken, um sie als Beweis vorlegen zu können. Danach ist es ratsam, zuerst selbst zu versuchen, den Verantwortlichen zur Löschung zu motivieren. Tut er dies innerhalb weniger Tage nicht, sollte man unbedingt rasch zum Anwalt gehen. Je nach Verstoß können Ihnen Unterlassungs-, Auskunfts- und Schadensersatzansprüche, in Einzelfällen sogar Schmerzensgeldzahlungen zustehen. Mehr zu diesem Thema findet sich unter www.aufrecht.de. Foto: Promo

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