COMPUTER Frage : In der Paypal-Falle

Paypal ist für den Handel im Internet eine feine Sache, doch der Käuferschutz gilt längst nicht in jedem Fall. Michael Terhaag, Fachanwalt für IT-Recht, gibt Auskunft.

An Michael Terhaag

Der Paypal-Käuferschutz greift nur unter bestimmten Bedingungen. Worauf muss ich achten, um im Fall des Falles tatsächlich mein Geld zurückzubekommen?

In erster Linie ist Paypal eine Art Bankdienstleistung in der Form eines erweiterten Lastschriftverfahrens. Das Unternehmen wirbt damit, dass für den Kunden kostenlos eine Überweisung mit nur zwei Klicks getätigt werden kann und dann einen umfassenden „Käuferschutz“ bietet.

Grundsätzlich ist das eine feine Sache. So muss nicht jeder Verkäufer die eigenen Kontodaten erhalten. So bekommt der Verkäufer direkt nach der Überweisung das Geld auf seinem Paypal-Konto gutgeschrieben und kann die Ware direkt nach der Bezahlung schnell verschicken. Gerade im internationalen Ebay-Handel ist Paypal eine große Hilfe.

Aber was bedeutet der Käuferschutz konkret? Wenn beim Versand der Ware etwas schiefgeht, sperrt Paypal dem Verkäufer das Konto und der Käufer kann sein Geld im Rahmen des Käuferschutzprogrammes zurückerhalten. Das gilt, wenn mit Paypal bezahlte Artikel durch den Verkäufer nicht versendet werden oder der gelieferte Artikel erheblich von der Artikelbeschreibung des Verkäufers abweicht.

Hierbei ist wichtig, dass man innerhalb von 45 Tagen die sogenannte Konfliktlösung bei Paypal einleitet. Wichtig ist zudem, dass der Käufer danach sämtliche Anfragen von Paypal für den Käuferschutz innerhalb von zehn Tagen beantwortet. Gelingt dies einmal nicht, lehnt Paypal den Antrag ab. Welche Unterlagen genau erforderlich sind, kann Paypal nach freiem Gutdünken festlegen. Anschließend wird mögliche Fehlerhaftigkeit des gekauften Artikels bei Paypal nur nach „Aktenlage“ geprüft. Auch die Kernfrage, wann eine Sache erheblich von der Artikelbeschreibung des Verkäufers abweicht, steht dabei ebenfalls ausschließlich im Ermessen von Paypal. Denn richtig problematisch wird es bei genauerer Betrachtung des Paypal-Kleingedruckten. So heißt es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB): „Die Entscheidung über den Antrag auf Paypal-Käuferschutz ist endgültig und der Rechtsweg ausgeschlossen.“

Bei dem vielbeworbenen Käuferschutz handelt es sich somit um eine reine Kulanzleistung. Das birgt natürlich auch für die Verkäufer erhebliche Risiken, da sie von Paypal auch bei eigentlich unberechtigten Käuferbeschwerden schon mal vergebens auf ihr Geld warten könnten. Im Übrigen könnte eine derartig überraschende Klausel nach deutschem Recht durchaus unzulässig und unwirksam sein. Diesbezügliche Urteile gibt es jedoch nicht, unter anderem wegen Geschäftssitzes von Paypal in Luxemburg.

Dennoch bleibt Paypal eine gute Sache. Nur muss man sich wie gehabt seinen Vertragspartner gut aussuchen, wenn man es denn kann. Ein Kauf bei Ebay, bei dem man das Gegenüber nie zu Gesicht bekommt, kann generell Probleme mit sich bringen. Prüfen Sie vor dem Kauf beziehungsweise der Gebotsabgabe immer, ob der Verkäufer über ausreichend viele positive Bewertungen verfügt und ob sich aus dem Gesamtbild der Artikelbeschreibung ablesen lässt, dass hinter dem Angebot ein seriöser Anbieter steht.

Als Verbraucher können Sie sich gegenüber gewerblichen Anbietern übrigens auch bei Ebaygeschäften auf das komfortable Widerrufs- und Rückgaberecht berufen. Mehr zum Thema finden Sie unter www.aufrecht.de. Foto: Promo

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