Computer-Frage : Spicken erlaubt – aber in Grenzen

Michael Terhaag Anwalt für Online-Recht antwortet auf die Frage: Worauf müssen Kinder achten, wenn Sie auf Plattformen wie Spickmich.de ihre Lehrer bewerten?

An Michael Terhaag

Lehrer sind keinesfalls „Freiwild“, wenn es um öffentliche Bewertungen geht. Grundsätzlich gilt aber auch im Internet das Recht auf Meinungsäußerung. Wichtig ist, dass der Bogen nicht überspannt und in den Bereich der sogenannten Schmähkritik oder gar Beleidigung abgeglitten wird. Insofern sollte man sich bei jeder Kritik immer an die Wahrheit halten und insgesamt sachlich bleiben. Nach Einschätzung des Oberlandesgerichts Köln stellen die aktuellen Bewertungsmöglichkeiten zum Beispiel bei Spickmich.de einen nur marginalen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Lehrer dar.

Durch die konkreten Bewertungsrubriken wie etwa guter Unterricht, cool und witzig, fachlich kompetent, gut vorbereitet oder auch beliebt und der vorgegebenen bekannten Notenskala von 1 bis 6 ist ein nicht mehr hinnehmbarer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der nur mit Nachnamen bezeichneten Lehrerschaft kaum möglich. Etwas anderes kann natürlich gelten, wenn die ebenfalls vorliegende Lehrerzitat-Funktion für Unrühmlichkeiten missbraucht wird.

Viele wissen immer noch nicht, dass ein frei formulierbares Bewertungssystem, das heutzutage zu jedem Web-2.0-Angebot gehört, erhebliche Tücken für alle Beteiligten mit sich bringt. Auch hier gilt: Halten Sie sich immer unbedingt an die Wahrheit bei den Bewertungen. Bremsen Sie sich oder Ihre Kinder bei subjektiven Unmutsäußerungen und vermeiden Sie unbedingt Beleidigungen und Kraftausdrücke. Zum Thema negative Bewertungen und deren Rechtsfolgen in Form von Unterlassungs- oder gar Schadenersatzansprüchen liegen mittlerweile auch einige Urteile deutscher Gerichte vor. Zum Urteil aus Köln informieren wir unter www.aufrecht.de/5473.html. Foto: Promo

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