Computer : Gratis-Virenschutz reicht nicht mehr

Dafür arbeiten die besseren Schutzprogramme effektiv, aber unaufdringlich im Hintergrund.

Kurt Sagatz
Viren
Zu den gefährlichsten Viren gehören Trojaner, die Passwörter zum Beispiel fürs Onlinebanking ausspähen.Foto: pa / gms

„Massenangriff der Virenmafia“, „Nepper, Schlepper, Computerfänger“ und „Eine mächtige Virenwelle peitscht durchs Land“ – manche Berichte über die Gefahren des Internets sind extrem reißerisch, im Kern treffen sie dennoch zu. Jeden Monat ersinnen die organisierten Internetkriminellen neue Angriffsmethoden, vor denen sich jeder Internetnutzer schützen muss. Für die Hersteller von Antiviren-Software sind die immer neuen Angriffsvarianten sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Dass ein Programm im Vorjahr gut abgeschnitten hat, muss für die aktuelle Version nichts heißen. Zugleich können Anbieter, deren Glanz zuletzt nachgelassen hat, sich wieder an die Spitze setzen.

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Die Computerzeitschrift „c’t“ hat in Heft 23/08 die 2009er-Versionen der wichtigsten Internetsicherheitsprogramme unter die Lupe genommen. Ergebnis Nr. 1: Die besseren Programme kommen auch mit den neuen Gefahren wie etwa den besonders trickreich versteckten Rootkits oder den Angriffen beim Besuch von infizierten Webseiten verhältnismäßig gut (siehe Kasten) klar. Wichtig ist, dass nicht nur streng nach Virenkatalog gearbeitet wird, sondern dass die Programme das Verhalten des Computers genau beobachten, um so neue Angreifer zu erkennen. Ergebnis Nr. 2: Mitunter schießen die Programme übers Ziel hinaus, warnen vor Attacken, die keine sind – mit dem Ergebnis, dass der verunsicherte Anwender möglicherweise wichtige Dateien löscht. Am Ende bleibt die Frage, welche Programme geeignet sind.

EMPFOHLEN: AVIRA ANTIVIR PREMIUM

Ein Lob der „c’t“ erhält das Produkt Avira Antivir Premium. Avira kennen viele Computernutzer durch das kostenlose Avira Antivir Personal. Diese Variante stellt jedoch nur eine Basissicherung dar. An der Erkennungsrate des Virenscanners und der Arbeitsgeschwindigkeit ist zwar nichts auszusetzen, allerdings fehlen einige wichtige Funktionen. Dazu gehört der Schutz vor einer Vireninfektion beim Besuch von infizierten Webseiten, der Webguard und ein erweiterter E-Mail-Schutz. Bei der Kostenlosvariante muss man zudem mit dem langsameren Server zum Herunterladen der Antiviren-Updates vorliebnehmen. Für Nutzer des kostenpflichtigen Avira Antivir Premium (eine Lizenz 19,95 Euro, drei Lizenzen 49,95 Euro) entfallen diese Wartezeiten, auch die Werbeeinblendungen fallen weg. Überhaupt hält sich das Programm angenehm im Hintergrund, weder wird der Anwender durch andauernde Mitteilungen gestört, noch machen sich Leistungseinbußen durch den Einsatz des Anti-Virenprogramms bemerkbar. Nachbessern muss Avira indes bei der Verhaltensprüfung. Das Paket gibt es als Avira Premium Security Suite auch mit Firewall, eine Lizenz kostet rund 40 Euro, für drei Lizenzen müssen rund 60 Euro gezahlt werden.

VERBESSERT: NORTON-SCHUTZ

Das Programmpaket Norton Internet Security, das neben dem Virenscanner auch eine Firewall beinhaltet, wurde von Symantec komplett und vor allem erfolgreich überarbeitet. Die Zeiten, in denen das Norton-Paket als enervierende Leistungsbremse galt, gehören der Vergangenheit an. Norton Internet Security passt sich perfekt in das System ein. Würde nicht ab und zu darauf hingewiesen, dass im Hintergrund nach Viren gescannt wird, würde man es gar nicht bemerken. Zum einen arbeitet das Norton-Paket spürbar schneller. Es lässt sich schneller installieren, es verlangsamt den Windows-Start erheblich weniger als andere Programme, und es belegt weniger Platz im Arbeitsspeicher. Zudem wird der laufende Betrieb des Computers weniger stark belastet, da das Paket über sogenannte Pulse-Updates permanent mit den neuesten Vireninfos versorgt wird. Zudem werden die Arbeitspausen des Computers konsequent dafür genutzt, das System im Hintergrund auf Viren zu scannen. Sobald der Anwender wieder aktiv ist, steht die volle Leistung wieder zur Verfügung. Und im Vollbildmodus, wenn zum Beispiel ein Film angesehen oder ein Spiel gestartet wurde, bleibt der Virenscanner stumm. Das Paket kostet für drei Lizenzen rund 40 Euro, als Update sind 33 Euro fällig.

ABSTRICHE FÜR KASPERSKY

Die Programme von Kaspersky Lab waren über Jahre das Maß aller Dinge. Diese Position haben sie der „c’t“ zufolge in diesem Jahr eingebüßt. „Zwar schnell, aber leider auch nirgends mehr so richtig gut“, schreibt das Fachmagazin über Kaspersky Anti-Virus 2009. Aber anders als viele andere getestete Programme ist Kaspersky nach wie vor auch nicht schlecht und vor allem für Besitzer der Vorjahresversionen sehr preiswert. Das gilt auch für das Komplettpaket inklusive Firewall. Die 3er-Lizenz von Kaspersky Internet Security 2009 kostet für Altkunden unter 42 Euro. Wer den Umgang mit den Kaspersky-Programmen gewohnt ist, muss somit keinesfalls zu einem anderen Anbieter wechseln.

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