Computerfrage : Zu viel verlangt

Reinhold Scheck, Experte für Windows- und Office-Fragen, rät zu Vorsicht bei allzu gefährlichen Aufforderungen.

Ein Programm fordert mich bei der Installation auf, „Virenscanner und Firewall sowie alle weiteren Überwachungs- und Tuning Tools“ vorübergehend zu deaktivieren. Soll ich dieser Anweisung folgen?

Eher nicht. Ich kann mit nur schwer vorstellen, dass ein seriöser Softwarehersteller gute (technische) Gründe für eine so komplexe und durchaus riskante Vorgabe hat. Dabei kann übrigens unberücksichtigt bleiben, dass viele Anwender nicht einmal so genau wissen, wie eigentlich der Virenscanner, die Firewall oder gar diverse Überwachungs- und Tuning Tools, sofern Letztere installiert sind, vorübergehend stillgelegt und später erneut aktiviert werden können. Sicher – es gibt mancherlei Software, die bei ihrer Installation sehr nahe an der Computer-Hardware oder am Betriebssystem arbeiten muss. Vorwiegend handelt es sich dabei um Updates spezieller Programme. Hier kann es dann in der Tat manchmal erforderlich sein, einerseits eine Verbindung mit dem Internet aufrechtzuerhalten und dennoch andererseits gleichzeitig den Virenscanner vorübergehend zu deaktivieren. Dann aber auch noch die Firewall auszuschalten – egal ob diese von Windows oder von Ihrem Virenschutzprogramm betrieben wird –, das käme einer Einladung gleich, mit der Sie Hackern oder sogenannter böswilliger Software gestatten, auf Ihrem Computer Dinge anzustellen, deren Ergebnis Ihnen kaum gefallen könnte.

Für ein Abschalten von Virenscanner und Firewall bei aktivem Internetzugang müssten in einer entsprechenden Installationsanleitung plausible Gründe beschrieben sein, Vorgehensweisen erläutert werden und gleichzeitig müsste auf mögliche Risiken hingewiesen werden. Fehlt das, würde ich einer solchen Vorgabe nicht folgen und gegebenenfalls sogar auf eine Installation verzichten. In vielen Fällen ist es durchaus möglich, während einer Installation, die ein Ausschalten des Virenscanners erwartet, auf eine Internetverbindung zu verzichten. Die nötige Aktivierung des Programms würde dabei eben erst später erfolgen. Die meisten Internetrouter bieten die Option, den Zugang zum Internet zu trennen oder zu sperren, ohne dass Sie dafür das Gerät selbst ausschalten oder vom Stromnetz trennen müssten. Vor allem aber gilt: Was auch immer Sie aus welchen Gründen ausschalten – vergessen Sie nicht, es wieder anzuschalten! Foto: Kai-Uwe Heinrich

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