Computerpannen : Wenn der PC streikt

Wenn Rechnerprobleme auftreten, muss nicht immer der Pannenhelfer ran. In vielen Fällen hilft eine Notfall-CD aus der Fachzeitschrift oder die DVD von Windows Vista.

Kurt Sagatz

Die Warnungen vor dem Computerwurm „Conficker“ waren schlicht eine Falschmeldung. Nicht 50 Millionen Rechner waren weltweit befallen, sondern gerade einmal 500 000 Computer vorwiegend in US-Firmennetzen. Doch auch wenn die Antiviren-Branche diesmal maßlos überzogen hat, gibt es viele Gefahren, auf die man ohne große Mühen oder viel Geld vorbereitet sein kann. Denn sicher ist: Computerprobleme treten immer dann auf, wenn man sie nicht gebrauchen kann. Zumindest die Grundzüge für die „Erste Hilfe bei Computerpannen“ sollte man dann kennen. So wie man als Autofahrer wissen sollte, wo sich Ersatzrad und Warndreieck befinden, gibt es auch beim Computer Werkzeuge, die wenig oder gar nichts kosten und für die man kein Informatikstudium benötigt.

DER PC WILL NICHT STARTEN

Für einige PC-Krankheiten liefert Microsoft die Kur gleich mit. Wenn zum Beispiel der Computer nicht mehr richtig startet, können Nutzer von Windows Vista erste Reparaturversuche selbst unternehmen. Dazu wird die Installations-DVD in das DVD-Laufwerk eingelegt und der Computer beim nächsten Mal von dieser DVD gestartet (siehe Kasten). Nun lädt das System zuerst die wichtigen Startdateien. Ist dies erledigt, muss man noch die Sprache (Deutsch) bestätigen und das Betriebssystem (Vista) auswählen. Im nächsten Fenster erscheint die Aufforderung, Vista zu installieren. Das muss unbedingt ignoriert werden! Dafür wird der Menüpunkt „Computerreparaturoptionen“ angeklickt. Für den Nicht-Profi sind die beiden ersten Optionen interessant. Zuerst wird die Option zur automatischen Behebung der Startprobleme ausgewählt, den Rest erledigt Windows selbsttätig. Führt das nicht zum Erfolg, wird der Computer erneut von DVD gestartet, um die zweite Reparaturoption zu wählen. Dabei stellt Vista das System auf einen früheren Zustand zurück. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Systemwiederherstellung zuvor nicht deaktiviert wurde. Hilft beides nicht, muss doch der Experte ran. Für XP gilt das bei dieser Problematik leider grundsätzlich, da die „Wiederherstellungskonsole“ der XP-Installations-CD für Laien schlicht ungeeignet ist.

BEI VERDACHT AUF VIRENBEFALL

Regelmäßig legen Computerfachzeitschriften ihren Ausgaben CDs oder DVDs mit Rettungssystemen bei. Auch für Laien kann sich der Kauf eines solchen Heftes lohnen. Das gilt aktuell zum Beispiel für das „PC Welt“-Heft 2/09 mit der „XP & Vista Notfall-DVD“ (4,99 Euro). Auf dem Rettungssystem befindet sich unter anderem der Avira-Virenscanner. Da der Computer vom Rettungsmedium gestartet wird, lassen sich so auch jene Viren finden und eleminieren, die bei einem bereits gestarteten Windows nicht aufzuspüren sind. Genauso nützlich wie die „PC Welt“-Scheibe sind die Notfall-Kollektionen der Zeitschrift „c''t“. Auf der letzten Zusammenstellung aus Heft 26/2008 (3,30 Euro) konnte sogar zwischen drei Virenscannern gewählt werden.



ZEIT FÜR DIE DATENSICHERUNG

Lässt sich der Computer trotz Erster Hilfe nicht wieder in Gang setzen, ist Schadensbegrenzung angesagt. Nun müssen die eigenen Dateien und Einstellungen gerettet werden. Auch hier zahlen sich die Notfall-DVDs aus. Wurde zum Beispiel die „PC Welt“-DVD mit dem Knoppix-Linux gestartet, hat man Zugriff auf die Festplatten und Partitionen des Computers, auch wenn es sich dabei um ein Windows-System handelt. Zur Datenrettung wird nun am besten ein externes Laufwerk angeschlossen. Wir haben dies mit einer externen 500-Gigabyte-Festplatte von Toshiba (HDDR500E03E, rund 110 Euro) getestet, die mit ihrem 2,5-Zoll-Format sehr klein ist, Daten per USB-2.0 überträgt und dabei ohne zusätzliche Stromversorgung auskommt. Knoppix erkennt sie ohne Probleme als USB-Laufwerk. Mit dem Programm Konqueror – dem Linux-Gegenstück zum Windows Explorer – lassen sich die Daten unkompliziert von der Festplatte auf das externe Medium kopieren.

EIN NEUES SYSTEM

Nach der Datenrettung steht die Neuinstallation von Windows an. Mit allen Updates, Patches und Programmen dauert dies häufig einen ganzen Tag. Schneller geht es, wenn man eine zuvor als Abbild gespeicherte Installation nur zurückspielen muss. Dafür wird ein Programm wie Acronis True Image 2009 (rund 40 Euro) benötigt. Anders als bei den vorherigen Rettungsversuchen muss dafür eine gewisse Vorarbeit geleistet werden, in dem das PC-Abbild zu einem Zeitpunkt geschaffen wird, als der Computer noch einwandfrei lief. Wird auf dem Computer eine seperate Partition für Windows und die Daten angelegt, beschleunigt dies im Ernstfall das Zurückspielen. Zudem lässt sich ein Datenverlust nahezu vollständig vermeiden. Anstatt die Abbilder immer wieder neu auf DVDs zu brennen, kann sich auch hierfür die Anschaffung eines externen Laufwerks lohnen. Wichtig ist, dass man das System in mehreren Versionen auf dem externen Medium sichert und nach Abschluss der Sicherung mit den Originaldaten vergleichen lässt. So vorbereitet, kann einen fast nichts mehr erschüttern.

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