Convertibles im Test : Wischen und Tasten

Oft ersetzen Tablets das Notebook, jetzt kommen „Convertibles“. Bieten sie das Beste aus beiden Welten?

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Maximale Flexibilität: Das Yoga 2 pro von Lenovo kann wie ein ganz gewönliches Notebook mit 14-Zoll-Touchbildschirm genutzt werden. Der Bildschirm lässt sich jedoch vollständig nach hinten klappen, so dass aus dem Mobilrechner ein Tablet wird. Foto: Mike Wolff
Maximale Flexibilität: Das Yoga 2 pro von Lenovo kann wie ein ganz gewönliches Notebook mit 14-Zoll-Touchbildschirm genutzt...

Im Bundestag tun sie es, in der Bahn und auch mal im Auto: mit spitzen Fingern und rundem Rücken über das Tablet wischen. Die leichtgewichtigen Begleiter haben sich nach zwei vergeblichen Versuchen von Microsoft durchgesetzt, nachdem Konkurrent Apple mit dem iPad ein fast perfektes Gerät gebaut hatte. Auch in unserem Haushalt gibt es einen Tablet-Androiden, mir aber fehlt immer noch – die Tastatur. Deshalb ist die Freude groß, dass der Markt auch für unsereins eine Geräteklasse bietet, die Tablets mit Notebooks kreuzt: Die sogenannten Convertibles. Was aber auch die Frage aufwirft: Kann auch ein Mischling wirklich überzeugen?

Auf der Suche nach Antworten testen wir eines der viel beachteten Geräte dieser Gattung: das Lenovo Yoga 2 pro. Das Windows-8.1-Gerät für 1250 Euro hat eine beleuchtete Tastatur mit Touchpad sowie einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Dieser lässt sich aufklappen wie bei jedem Laptop, aber anders als sonst üblich so weit nach hinten durchdrücken, bis er ganz auf der Rückseite der Tastatur aufliegt, so dass das Gerät fast so flach ist wie ein Tablet. Dann kann man es auf dem Schoß oder dem Tisch ablegen und die Windows-Apps oder -Programme mit Berührungen oder Gesten steuern.

Als Tablet ist das Yoga vor allem im Bus praktisch

Ich kann mich nicht erinnern, das Yoga als Tablet im Alltagseinsatz oft eingesetzt zu haben – außer pflichtbewusst anfangs zu Testzwecken eben. Denn auf der Couch ist das Gerät wie ein aufgeklapptes Laptop praktisch, weil der Bildschirm dadurch auf Augenhöhe ist und man das Gerät nicht mit ausgestrecktem Arm vors Gesicht halten muss. In der U-Bahn gilt dasselbe. Allenfalls, wenn es richtig eng ist, im Bus, ist der Tablet-Betrieb praktisch.

Aber auch einfach nur als Hybrid ist das Yoga eine Offenbarung: Nach der Eingewöhnung nutzt man beide Eingaben, also durch Berührung oder Tastatur, und das beschleunigt den Betrieb erheblich: Das Blättern auf der Tagesspiegel-Website, das Starten von Apps oder Programmen, das Surfen und Arbeiten gehen fixer von der Hand, zumal man nicht auf die vollständige Tastatur zum Verfassen von E-Mails verzichten muss. Nicht mehr missen möchte man auch die Tastaturbeleuchtung, weil man so auch bei Schummerlicht abends die richtige Taste trifft.

Erkauft wird die Vielseitigkeit durch Gewicht: Adipös ist das Yoga mit 1,4 Kilo nicht gerade, aber eben auch schwerer als ein Tablet. Dafür gibt es einen größeren 14-Zoll-Bildschirm. Für mich ist das das optimale Maß für ein Gerät, das unterwegs, aber auch zu Hause genutzt werden soll. Nicht mehr hergeben will man das Yoga nach dem Blick auf den Bildschirm: Doppelt so scharf wie HD (3200 X 1800 Pixel), das ist, besonders für Brillenträger, eine Wonne für die Augen. Zumal mit zwei Fingern die offenen Programmfenster vergrößert oder verkleinert werden können. Etwas schnellere Reaktionszeiten würde ich mir wünschen, was laut Lenovo aber Microsofts Sache wäre. Aber daran gewöhnt man sich.

Kinderkrankheiten bringt die gewaltige Auflösung des Bildschirms noch vereinzelt mit: So poppte das Fenster eines „Update-Managers“ auf, auf dem die Schrift wegen der starken Auflösung viel zu klein ist. Was sonst überall funktioniert, das Vergrößern per Fingerzeig, klappt hier nicht. Diesen Mangel nehme ich für das Plus an Lesevergnügen hin, zumal der Trend zu ultrahohen Auflösungen nicht aufzuhalten ist. Die Softwareentwickler werden somit ganz gewiss Patches für solche Fälle nachliefern, hoffe ich.

Die Akkulaufzeit ist noch unbefriedigend

Ein Minus gibt es für die immer noch unbefriedigende Akkulaufzeit von fünf bis acht Stunden, je nach Verwendung. Dazu kann der Energiehunger des großartigen Bildschirms beitragen, daran beteiligt dürfte aber auch der Prozessor sein (Hashwell). Der liefert dafür Leistung satt, jedenfalls wenn man keine neusten Spiele in Maximalauflösung laufen lässt – wofür Notebooks aber eh selten geeignet sind. Da auch manch’ anderes Gerät in dieser Klasse nach einigen Stunden wieder ans Netz will, muss man wohl auf Intels Einführung der nächsten energiesparenden Chipgeneration („Bail-Trail“) im Herbst warten, damit Besserung eintritt. Oder man greift zu Modellen mit abgespeckten Prozessoren (Atom). Für alle, die einen Allrounder wollen, der auch mal für Bildbearbeitung oder Videoschnitt zu Hause dient, ist das aber keine Alternative.

Was die Konkurrenz zu bieten hat? Dells „XPS12“ hinterließ bei einem früheren Test einen guten Eindruck und trumpft mit einem drehbaren Bildschirm im hauchdünnen Stahlrahmen auf. Die Tastatur des XPS hatte mir besser gefallen als die vom Yoga, das XPS ist aber mit kleinerem Bildschirm schwerer. Weniger auf die Waage als das Yoga bringt Sonys Vaio Fit 13A (1,29 Kilo). Wer auf die Tablet-Nutzung verzichten will, sollte einen Blick auf das Asus Zenbook oder das Samsung Ativ Book 9 Plus werfen, die bei Tests beide regelmäßig vorne liegen.

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