Datatree-Chef Bernd Fuhlert : Mehr als Punkte auf einer Landkarte

Nur vier Ortsmarken mit den dazu gehörigen Zeitangaben reichen aus, um so gut wie jeden Techniknutzer zu identifizieren, warnt Datatree-Chef Bernd Fuhlert.

Vier Ortsmarken mit den dazu gehörigen Zeitangaben reichen aus, um so gut wie jeden Smartphone-Nutzer zu identifizieren.
Vier Ortsmarken mit den dazu gehörigen Zeitangaben reichen aus, um so gut wie jeden Smartphone-Nutzer zu identifizieren.Foto: Thilo Rückeis

Vier zufällig ausgewählte Punkte zu Ort und Zeit reichen aus, um 95 Prozent aller Nutzer zu identifizieren. Mit elf Zeit- und Ortsmarken ist jeder Mensch eindeutig zuzuordnen. Dies ergibt eine aktuelle Studie der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Der Fingerabdruck, der lange Zeit als sicherstes Identifikationsmerkmal galt, benötigt zwölf Merkmale.

Aber wie werden Bewegungsprofile gebildet? Hier gibt es technisch verschiedene Möglichkeiten. Dabei kann es sich um Triangulation, Empfangsstärkemessung aller Mobilfunkzellen im Umfeld, vom Mobilfunkgerät eingeleitete Positionsmeldungen, automatisches GPS-Tagging von Fotos oder aber um sogenannte stille SMS handeln, bei der die SMS zwar vom Endgerät nicht angezeigt wird, aber dennoch ein Kommunikationsvorgang eingeleitet wird. Hierdurch entstehen Positionsdaten, die an den Provider übermittelt werden.

Ist das Mobiltelefon ausgeschaltet, empfängt und sendet es keine Daten. Es wird auch keine Ortung ausgeführt. Allerdings nur in der Theorie. Einige aktuelle Mobiltelefone werden nicht wirklich ausgeschaltet, sondern befinden sich im Standby-Modus, damit sie schnell wieder verfügbar sind. Beispiel Blackberry: Wählt man „Ausschalten“, so fragt das Gerät „Ausschalten“ oder „Vollständig Ausschalten“. Bei beiden Optionen ist das Gerät in 30 Sekunden wieder hochgefahren und betriebsbereit. Nimmt man den Akku heraus und packt ihn wieder in den Smartphone, so braucht das Gerät fast drei Minuten zum Starten.

Welche Optionen in diesem „Auszustand“ verfügbar sind, regelt eine Software. Am stromhungrigsten ist die Funktion Senden. Empfangen kostet meist nicht viel Energie. Einige Geräte schalten in einen Empfangsmodus und können mit einem speziellen Code, der über GSM gesendet wird, aufgeweckt werden. Bei modernen Systemen können alle Knöpfe und Regler programmiert werden. So könnte man den Button für das Ausschalten so programmieren, dass das Bild schwarz wird und das Gerät sich wie ausgeschaltet verhält, bestimmte Funktionalitäten (Mikrofon, Empfänger) wären dennoch aktiv.

Ein Sonderfall sind die Updates. Es gibt diverse Möglichkeiten, Updates und Konfigurationen von außen einzuspielen. Berechtigt sind in der Regel die Hersteller von Hardware und Betriebssystem oder die Mobilfunk-Provider. Updates können die SIM-Karte, die Software für den Mobilfunk-Prozessor, das Betriebssystem, Applikationen oder Konfigurationen betreffen. Es gibt beispielsweise Steuercodes, die automatisch einen Preselect-Provider einrichten, der dann zum Abhören verwendet werden kann. Auf diese Weise ist aber auch die Ortung oder ein Vollzugriff möglich. Voraussetzung für diese Installation und Fernsteuerung sind bestimmte Passwörter, die bei den entsprechenden Firmen hinterlegt sind.

Viele Menschen mag das egal sein, weil sie meinen, dass sie nichts zu verbergen haben oder weil sie denken, diese technischen Möglichkeiten helfen bei der Suche nach Verbrechern. Aber auch unbescholtene Bürger können sich an Orten aufhalten, an denen sie lieber unerkannt bleiben.
Unsere Smartphones, die für viele Menschen unentbehrlich sind und dauernd am Körper mitgeführt werden, speichern rund um die Uhr, wo wir uns aufhalten, in welche Geschäfte wir gehen, wie lange wir dort verweilen, ob wir zu Fuß oder mit dem Bus unterwegs sind. Und nicht nur die Telefonkonzerne erheben diese Bewegungsdaten, auch die Betreiber von Apps und Betriebssystemen können so Rückschlüsse auf unser Konsumverhalten, unsere Hobbys und unseren finanziellen Status ziehen.

Für Datatree-Chef Bernd Fuhlert hat dies mit informationeller Selbstbestimmung nichts mehr zu tun.

Unser Telefonanbieter kennt die Namen unserer besten Freunde und weiß, ob wir derzeit beabsichtigen, ein neues Auto zu kaufen. Durch unser Bewegungsprofil und andere Daten kann sogar festgestellt werden, welche Art von Auto für uns interessant sein könnte. Mit informationeller Selbstbestimmung hat dies nichts mehr zu tun.

Bernd Fuhlert ist Geschäftsführer von Datatree, eines Unternehmens für Datensicherheit. Zu Fragen der digitalen Kommunikation äußert sich Bernd Fuhlert regelmäßig auf Verbraucherschutz-Blog.com

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