Digital : Der Freitagskrimi zu jeder Zeit

Keine Sendung verpassen. Angebote, Zugänge, Kosten – so funktioniert das Internetfernsehen

Markus Ehrenberg,Kurt Sagatz

Maybrit Illner zum Frühstück, den verpassten Freitagabend-Krimi zum Mittagessen, die „Tagesschau“ zu jeder Zeit – mit dem Internet fernsehen bedeutet, unabhängig von Zeiten und Programmen zu sein. Technische Entwicklungen wie DSL und Breitbandkabel machen es möglich, dass immer mehr verpasste Sendungen mit dem Computer nachgeholt werden können. Und zwar meistens in besserer Qualität als bei Youtube, wo das eine oder andere Fernsehschmankerl wie zum Beispiel alte Gags mit Hape Kerkeling oder Fußballspiele auch zu finden sind. Bewegtbilder gehören zu den wichtigsten und meist angeklickten Inhalten im Internet. „In drei Jahren wird solches Abruffernsehen zur ganz normalen Fernsehnutzung gehören“, prophezeit Medienexperte Jo Groebel. Von der ZDF-OnlineMediathek über die kommerziellen Anbieter bis hin zu Nischenportalen wie paralympicsport.tv – das sind die wichtigsten Internet-TV-Anbieter.

DIE ZDF-MEDIATHEK

Die kostenlose ZDF-Mediathek präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich – und das trotz des immensen Angebots, das im deutschsprachigen Internet seinesgleichen sucht. Bis Ende 2007 sollen 50 Prozent der ausgestrahlten TV-Inhalte über das Internet bereitgestellt werden. In der Mediathek hält das ZDF schon jetzt einen großen Teil der eigenen Sendungen der letzten sieben Tage bereit, wenn der Sender über die nötigen Rechte verfügt. Auch 3sat sowie der ZDF-Infokanal und der ZDF-Theaterkanal sind dabei. Spielfilme sowie der Großteil der Sportübertragungen fehlen hingegen überwiegend. Und bei Serien werden häufig nur Bilder statt Videos gezeigt. Mit Ausnahmen wie dem „KDD – Kriminaldauerdienst“. Das ZDF-Angebot lässt sich gezielt nach Sendungen, Themen oder der Zuschauer-Top–Ten durchsuchen. Sehr nützlich ist die Rubrik „Sendung verpasst“, in der man mit einem Mausklick zu den bereitgestellten Sendungen der letzten sieben Tage springen kann. Beim ersten Abruf einer Sendung gibt der Nutzer an, welche Abspielsoftware er bevorzugt (zum Beispiel den Windows Media Player bei einem Windows-Rechner oder Quicktime auf einem Mac) und mit welcher DSL-Geschwindigkeit er im Internet unterwegs ist. Die Filme können per Pausentaste unterbrochen werden, auch das Springen zu einer bestimmten Stelle ist möglich. Was nicht geht: Beiträge auf den eigenen Rechner laden, um sie später ohne Internetverbindung noch einmal anzusehen. Die ähnlich aufgebaute Online-Mediathek des Ersten soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres starten. Zurzeit sind einzelne ARD-Sendungen („Dittsche“, „Beckmann“, „Weltspiegel“, „Harald Schmidt“) auf diversen Portalen kostenlos abrufbar. Die „Hart, aber fair“-Premiere im Ersten findet sich beispielsweise im Web-TV-Angebot des WDR.

http://mediathek.zdf.de;

www.daserste.de/interaktiv/videos.asp; www.ardmediathek.de

PRIVAT UND KOSTENPFLICHTIG

RTL, Sat 1 oder Pro 7 bieten beliebte Filme und Serien wie „CSI Miami“, „GZSZ“, „Grey’s Anatomy“ oder „Desperate Housewives“ online teilweise schon eine Woche vor der TV-Ausstrahlung an (Einzelpreis: 1,99 Euro bis 2,49 Euro, Pakete ab 4,99 Euro). Das Prinzip: Video-on-Demand. Einige Eigenproduktionen („Super-Nanny“, „Helfer mit Herz“) gibt es nach vorheriger Registrierung sogar kostenlos.

www.rtl-now.de; www.maxdome.de

MIT NEUEM KONZEPT: JOOST

Ein Gegenkonzept zu den etablierten TV-Sendern hat die Plattform Joost entwickelt. Der Videodienst beruht auf dem Prinzip der Musiktauschbörsen, ist jedoch zu hundert Prozent legal. Derzeit können 250 zumeist englischsprachige Kanäle mit 15 000 Einzelbeiträgen abgerufen werden. Um das nutzen zu können, muss auf dem Windows- oder Mac-Rechner ein Programm installiert werden, auch eine persönliche Registrierung ist nötig. Die Steuerung des Programms ist einfach. Über die Internetseite von Joost.com lassen sich die Inhalte der verschiedenen Kanäle am einfachsten durchsuchen, um beispielsweise bei Paramount Pictures Germany alle angebotenen Filme wie „Die Stunde der Patrioten“, „Eine verhängnisvolle Affäre“ sowie „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu finden und direkt zu starten. Joost finanziert sich über Werbeeinblendungen, die allerdings weniger ins Auge fallen als im normalen Fernsehen. Nicht alle Sendungen stehen in allen Ländern zur Verfügung. Joost stellt über die IP-Adresse des Rechners fest, wo sich ein Nutzer befindet, und gibt nur die Inhalte frei, für die auch die jeweiligen Landeslizenzen vorhanden sind. Eine weitere Besonderheit ist die Peer-to-Peer-Technik: Nach dem Start von Joost werden auf den Rechnern der Joost-Anwender bis zu 500 Megabyte Daten gepuffert, um die Server der Betreiber zu entlasten. Fazit: Die Qualität der Videos ist für Internetverhältnisse gut, das Programm (Serien wie „CSI“, „Numb3ers“, Musikkanäle von Red Hot Chili Peppers oder Oasis) gigantisch. Deutsche Inhalte sind derzeit allerdings noch Mangelware.

www.joost.com

NAH AM ORIGINAL: ZATTOO

Das Web-TV-Angebot von Zattoo.com bietet schnörkelloses Internetfernsehen für Windows, Mac und Linux, wie man es vom herkömmlichen TV-Gerät gewohnt ist. Zattoo ist ebenso wie die ZDF-Mediathek oder Joost kostenlos, es unterscheidet sich aber grundsätzlich von diesen Angeboten, da keine Sendungen auf Abruf bereitgehalten werden. Zattoo sendet live, der Nutzer muss sich zuvor beim Betreiber angemeldet und eine kostenlose Software installiert haben. Die Auswahl der Sender ist mit rund 20 Stationen noch sehr bescheiden. Mit Sendern wie Das Vierte, DMAX, DSF, Giga oder Tier- TV enthält Zattoo jedoch mehr deutschsprachige Inhalte als Joost. Die Nutzung ist simpel. Nach dem Programmstart sieht man rechts neben dem Playerfenster eine Liste mit den zur Verfügung stehenden Sendern. Weitreichende Einstellungsoptionen oder Kategorienliste sucht man dagegen vergebens, da sie zumindest derzeit noch nicht benötigt werden.

www.zattoo.com

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