Detektivspiele : Ich, Sherlock Holmes

An Computer und Konsole wird der Spieler zum Meisterdetektiv. Neben der Sherlock-Holmes-Reihe von Frogware gibt es eine große Auswahl für die verschiedensten Plattformen.

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Auf Tuchfühlung: In „Crimes and Punishments“, der Fortsetzung der Sherlock-Holmes-Reihe von Frogware muss ganz genau hingeschaut werden.
Auf Tuchfühlung: In „Crimes and Punishments“, der Fortsetzung der Sherlock-Holmes-Reihe von Frogware muss ganz genau hingeschaut...Screenshot: Promo

Sherlock Holmes ist ein Superstar. Der Meisterdetektiv von Arthur Conan Doyle lebt in unzähligen Kinofilmen und TV-Produktionen weiter. Besonders die BBC-Serie „Sherlock“ hat für einen neuerlichen Popularitätsschub gesorgt. Der Serie gelingt es hervorragend, Holmes’ Genialität zu visualisieren: Schnelle Kameraschnitte zeigen seine Beobachtungen, die Schlussfolgerungen werden blitzartig als Text eingeblendet. In Computerspielen funktioniert die Identifikation anders: Hier wird man zum Helden, weil man die Figur selbst steuert. Wobei sich Detektivgeschichten dafür besonders gut eignen, schließlich bieten sie Rätsel und Spannung en masse. Sherlock Holmes ermittelt schon seit 1984 in digitalen Welten, damals noch auf den Heimcomputern wie C64 und ZX Spectrum. Inzwischen gibt es eine große Auswahl an Detektivspielen für unterschiedliche Altersstufen und Spieleplattformen – wir stellen einige vor.

Das ukrainische Entwicklerstudio Frogwares hat mit „Sherlock Holmes“ eine angesehene Computerspielreihe etabliert. Seit 2002 wurden insgesamt neun Detektivabenteuer veröffentlicht, die sich mal mehr, mal weniger stark am Inhalt der Doyle-Romane orientieren. Gute bis sehr gute Kritiken erhielt „Das Testament des Sherlock Holmes“, das 2012 für PS3, Xbox 360 und PC erschien (USK: ab 16 Jahren, aktueller Preis: 10 bis 15 Euro). Die Stadt London wird von einer Mordserie in Atem gehalten – Sherlock gerät in Verdacht, in die Verbrechen verwickelt zu sein. In dem stimmungsvollen Point-and-click-Adventure sind genaue Beobachtung und ein messerscharfer Verstand gefragt: Aus der Ego- oder Schulterperspektive untersucht man Tatorte, sammelt Indizien und spricht mit Zeugen oder verdächtigen Personen. Zentrales Spielelement ist die Deduktion: In einem Diagramm kombiniert man die gesammelten Beobachtungen, um daraus logische Schlüsse zu ziehen. Die einzelnen Verbrechen sind erst dann aufgeklärt, wenn alle Diagrammstränge zu einer Lösung zusammenlaufen.

Das macht Spaß, ist aber im Vergleich zur TV-Serie recht statisch. Aus diesem Grund plant Frogwares einige Neuerungen für die Fortsetzung „Sherlock Holmes: Crimes and Punishments“, die am 30. September erscheint. Ähnlich wie der TV-Sherlock kann man dann die verdächtigen Personen ganz aus der Nähe begutachten, ihre Mimik und Kleidung analysieren. Außerdem wird man vor moralische Entscheidungen gestellt, die den Fortgang der Handlung beeinflussen. Das Spiel erscheint für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One, kosten wird es je nach Plattform zwischen 50 und 70 Euro.

Aber auch mobil können sich Hobby-Ermittler austoben: In „Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney“ (Nintendo 3DS; USK 6, aktueller Preis: 40 Euro) treffen zwei der bekanntesten Videospiel-Kriminalisten erstmals aufeinander. Hier der zylindertragende Rätselfreund Layton mit seinen tadellosen Manieren, dort der schneidige Staatsanwalt Phoenix Wright, der im Zeugenverhör jeden noch so kleinen Widerspruch aufdeckt. Anders als der Titel vermuten lässt, bestehen die beiden Fahnder das 2-D-Abenteuer Seite an Seite: Mitsamt ihren Assistenten landen sie in der mittelalterlichen Parallelwelt Labyrinthia, wo sie eine Mandantin verteidigen und bösen Hexen das Handwerk legen müssen.

Übersinnliche Kräfte walten auch in dem Detektiv-Thriller „Murdered: Soul Suspect“ (PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One und PC, 50-70 Euro, USK 16). In Salem/Massachusetts fällt der Fahnder Ronan O’Connor einem Serienmörder zum Opfer. Ronans Geist ist nun in einer Zwischenwelt gefangen, die er nur verlassen darf, wenn er den Mord an sich selbst aufklärt. Als Geist kann Ronan mit den Lebenden nicht direkt interagieren, er kann aber ihre Gedanken und Handlungen beeinflussen. „Murdered: Soul Suspect“ hat viel Atmosphäre und – mit den Hexenprozessen von Salem – auch einen interessanten geschichtlichen Hintergrund. Allerdings sind die Rätsel zu einfach, um mit der „Sherlock“-Spielereihe mithalten zu können.

Als übersinnliche Alternative bietet sich „Ghost Trick: Phantom Detective“ (USK sechs Jahre) an, das sowohl als Nintendo DS (20 Euro) als auch für iOS (neun Euro) erschienen ist. Auch hier muss ein Geisterdetektiv den Mord an sich selbst aufklären. Morde an anderen Personen verhindert man rückwirkend/nachträglich, indem man die Zeit zurückspult und Gegenstände am Tatort manipuliert – ein originelles Spielkonzept mit vielen Herausforderungen.

Hobby-Detektive kommen mit Smartphones, Tablets und Mobilkonsolen voll auf ihre Kosten. In dem humorvollen Point-and-click-Adventure „Detective Grimoire“ (iOS, Android, PC, Mac, Linux; ab drei Euro) geht es um einen Mord im einem touristisch erschlossenenen Sumpfgebiet. Auch die Fortsetzung des Klassikers „Baphomets Fluch“ ist für iOS und Android (sowie für PC, OS X, Linux und PS3) erschienen: In „Der Sündenfall“ decken ein US-Anwalt und eine französische Journalistin gemeinsam eine mörderische Verschwörung auf. Die erste von zwei Episoden ist bereits verfügbar und kostet sechs Euro. Achim Fehrenbach

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