DIE TOUR im TV : Donnernde Botschaft

Frank Bachner

Viel Zeit ist nicht mehr, schon klar, die Tour ist ja schon am Sonntag vorbei. Aber die Enthüllungen kommen stündlich, und bestimmt wird vor dem Zieleinlauf aufgedeckt, dass auch der Fahrer des Besenwagens gedopt war. Naiv, wer ihn nicht schon lange im Verdacht hatte. Und aufdecken wird diesen Skandal zweifellos Eurosport, der härteste Sender beim Anti-Doping-Kampf, seit die Kirchturm-Eule um Mitternacht krächzte. Irgendwas muss seit Mittwochabend passiert sein, keiner weiß was, aber seit Donnerstag kennt Eurosport keine Stars mehr, nur noch Dopingsünder. Vor der Live-Übertragung gibt’s deshalb im Studio nur ein Thema: Doping. Nur geht’s halt schief, wenn man vom vierten in den Rückwärtsgang schaltet. Es gibt wahllos eingespielte, oberflächliche Interviews mit Fahrern, Teamchefs und Funktionären, aber wenig Hintergründe und kaum brauchbare Analysen. Und ein paar verschwurbelte Sätze eines zugeschalteten Kardiologen sind zu viel für Moderator Harry Weber: „Das verstehe ich jetzt nicht.“ Seine donnernde Botschaft ist dafür klarer: „Wir sollten uns jetzt ausführlich mit Doping befassen.“ Vier Tage vor Tour-Ende und neun Jahre nach dem Festina-Skandal eine tolle Idee. Aber, was denn, was denn, die bisherige Hurra-Berichterstattung war doch nur ein „Problemchen“, es „muss nicht alles niedergeknüppelt werden, was eine schlechte Wurzel hat“ (Weber). Auch die Live-Reporter sind natürlich auf Linie. Andächtig erzählen sie, dass man Platz fünf doch bitte auch würdigen muss, nicht bloß den Sieg. Fünfter wird David Millar, der Brite. Der war bis 2006 wegen Dopings gesperrt. Das vergessen die Reporter leider zu erwähnen. Ein bloßer Lapsus natürlich. Kommt nächstes Mal bestimmt nicht mehr vor. Eurosport übersieht keinen. Frank Bachner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben