"Emergency 5", "OMSI", "Mega Airport" : In diesen Games spielt Berlin die Hauptrolle

Naturkatastrophen, Feuergefechte, Agentenabenteuer: Die deutsche Hauptstadt spielt nicht nur in der neuen PC-Simulation „Emergency“ eine gewichtige Rolle.

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Naturkatastrophen, Feuergefechte, Agentenabenteuer: Die deutsche Hauptstadt ist Schauplatz zahlreicher PC- und Konsolenspiele. Wir stellen die spannendsten vor.Weitere Bilder anzeigen
Screenshot: Sixteen Tons Entertainment
27.11.2014 18:21Naturkatastrophen, Feuergefechte, Agentenabenteuer: Die deutsche Hauptstadt ist Schauplatz zahlreicher PC- und Konsolenspiele. Wir...

Berlin steht knapp vor der Ausrufung des Notstands: Bei einem Attentat am Reichstag werden mehrere ranghohe Politiker schwer verletzt und schweben in Lebensgefahr. Ein Erdbeben erschüttert die Stadt und löst Brände aus. Ganze Straßenzüge liegen in Schutt und Asche. All das geschieht an einem einzigen Tag, zum Glück nicht in der Realität, sondern nur in einem Computerspiel, in dem Berlin eine gewichtige Rolle spielt.
An diesem Freitag erscheint die Rettungssimulation „Emergency 5“. Das PC-Spiel – es kostet 40 Euro und ist für Kinder ab zwölf Jahren von der USK freigegeben – inszeniert Katastrophen und Notfälle in deutschen Großstädten: Hamburg wird von einer Sturmflut überrollt, in München explodieren Fliegerbomben, und Berlin steht kopf. Der Spieler lenkt den Einsatz der Rettungskräfte: Aus der Vogelperspektive koordiniert er Polizei und Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Anti-Terror-Einheiten.

Berlin spielt in „Emergency 5“ eine der Hauptrollen. Neben den Einsätzen am Reichstag werden die Rettungskräfte zum Brandenburger Tor, auf die Museumsinsel oder zum Potsdamer Platz und an viele andere Orte der Stadt gerufen. Das Spiel simuliert viele Aspekte einer lebendigen Großstadt: Bus- und Bahnverkehr, Feierabendstaus, wechselnde Wetterverhältnisse. Das Häusermeer ist riesig, aber kein 1:1-Modell des realen Berlin. „Wir haben das Stadtgebiet eingegrenzt und die Entfernungen gestaucht“, sagt Ralph Stock, dessen Firma Sixteen Tons Entertainment die Reihe produziert. „Uns ging es vor allem darum, die Stimmung Berlins einzufangen. Atmosphärisch überzeugt „Emergency 5“ voll und ganz – bis hin zum Blaulicht, das sich in Regenpfützen spiegelt.

„Emergency 5“ ist keineswegs das einzige Computerspiel mit dem Schauplatz Berlin. Eines der frühen Spiele mit der Spree-Metropole im Handlungszentrum war „Berlin Connection“ aus den 1990er Jahren. Es spielt zur Zeit des Mauerfalls, eine junge Frau wird gekidnappt, weil ihr Freund die falschen Fotos gemacht hat. Eine der Besonderheiten dieses Adventures war, dass es wiederum selbst aus einer Vielzahl von Fotos aufgebaut war, durch die sich der Spieler tief in die Geschichte Berlins hineinbewegte.

Überhaupt sind es vor allem Spiele mit einem sehr realistischen Hintergrund, in denen Berlin eine tragende Rolle spielt. So wurde Berlin in verschiedenen PC-Simulationen digital nachgebaut. Zwei begeisterte Spandauer haben mit dem „Omnibussimulator“ – inzwischen gibt es davon die zweite Version – ihre Jugenderinnerungen an dieses Verkehrssystem in ein kommerzielles Spiel (Windows, rund 30 Euro) gepackt. Im „U-Bahn-Simulator U7 Berlin“ kann sich der Spieler in die Rolle eines U-Bahnfahrers begeben. Und zum „Flight Simulator X“ von Microsoft gibt es seit einigen Monaten die Erweiterung „Mega Airport Berlin-Brandenburg“ (rund 26 Euro). Während der Eröffnungstermin des BER noch immer in den Sternen steht, kann der PC-Spieler bereits am Flughafen „Willy Brandt“ abheben und landen.

In der Simulation „Second Life“ war Berlin sogar so populär, dass das Entwicklerstudio Metaversum mit „Twinity“ eine eigene Berlin-Simulation programmierte – als erste virtuelle 3-D-Welt, die eine reale Stadt maßstabsgetreu nachbaut hat. In weiteren Schritten wurde „Twinity“ um Städte wie London oder New York erweitert. Und dann gibt es da noch die eifrigen Hobby-Programmierer vom Projekt „GTA Berlin“: Sie basteln seit einem guten Jahrzehnt an einem „Grand Theft Auto“ für die Hauptstadt.

Aber auch in Blockbuster-Games ist Berlin vertreten. Der Kriegsspiel-Reihe „Call of Duty“ diente die Stadt schon mehrfach als Schauplatz. Im ersten „Call of Duty“ von 2003 nimmt der Spieler als russischer Weltkriegssoldat an der Eroberung Berlins teil und hisst auf dem Reichstag die Siegesfahne. In „Call of Duty: Modern Warfare 3“ kämpft man als US-Elitesoldat der Gegenwart gegen russische Berlin-Invasoren. Allzu hohe Ansprüche an den Realismus sollte man nicht stellen, die Stadt ist kaum mehr als eine austauschbare Kulisse für Baller-Orgien.

Dabei gibt es durchaus auch Ideen für tiefgründige Berlin-Games. Zum Beispiel beim Studio Yager Entertainment („Spec Ops: The Line“), das in Kreuzberg ein Team von 140 Mitarbeitern beschäftigt. „Wir haben schon mehrfach über ein Berlin-Spiel nachgedacht“, erzählt Studio-Chef Timo Ullmann. „Das eine Konzept nannte sich ,Dissident‘. Dabei ging es um den Aufstand gegen ein Unterdrücker-Regime, inspiriert von Büchern wie ,1984‘, aber auch durch unsere eigenen Erfahrungen in einer lange Zeit geteilten Stadt“. Die andere Idee war eine Agentengeschichte im Berlin der 1970er oder 1980er Jahre, die „mit genügend Abstand sicher auch für ein internationales Publikum interessant gewesen wäre“, so Ullmann. Leider scheiterten die Projekte am Ende an der Finanzierung.

Für Spiele mit Berlin-Bezug gibt es dennoch Fördermöglichkeiten. Anlaufstelle ist das Medienboard Berlin-Brandenburg. „In diesem Jahr haben wir zum Beispiel das Smartphone-Game ,Mauerspecht‘ der Firma Exozet gefördert. Und auch die Augmented-Reality-Schatzsuche ,Da Vinci Code für das iPad‘, die von der Firma Life Action Games produziert wird“, sagte Medienboard-Geschäftsführer Elmar Giglinger dem Tagesspiegel. „Weitere Games, die wir fördern, befinden sich in der Entwicklung. Unter anderem ,Ackerstraße 37‘ sowie ,Baldur und die Mauerhasen‘, die sich beide mit der Hauptstadtregion und dem Mauerfall beschäftigen.“ Entscheidend für die Förderung sei, so Giglinger, dass das Spiel in Berlin-Brandenburg produziert werde. „Wenn es dann noch einen Regionalbezug hat, freut uns das natürlich.“

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