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Facebook-Partys : Plötzlich wollen alle zur CDU

Nach der Diskussion über ein Verbot von Facebook-Partys haben Internetnutzer ein neues Hobby gefunden: CDU-Veranstaltungen, die auf Facebook veröffentlicht werden, mit Zusagen bombardieren.

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Alle sind gekommen: Eigentlich wollte der Hamburger Teenager Thessa nur ein paar gute Freunde zu ihrem 16. Geburtstag einladen.Alle Bilder anzeigen
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01.07.2011 18:40Alle sind gekommen: Eigentlich wollte der Hamburger Teenager Thessa nur ein paar gute Freunde zu ihrem 16. Geburtstag einladen.

Die CDU im schleswig-holsteinischen Hasloh versuchte zu retten, was noch zu retten war - vergebens. Nachdem sie ihre Veranstaltungseinladung zum Sommerfest wegen tausender Spaß-Zusagen von Nutzern wieder aus Facebook löschte, wurde die Partei auf ihrer Facebook-Pinnwand mit Spott überschüttet. "Was ist mit eurer Scheunenparty? Wo Wann?", fragten die Nutzer. Andere übten heftig Kritik an der Löschung sämtlicher Kommentare.

Es ist eine neue Lieblingsbeschäftigung von Facebook-Nutzern: CDU-Veranstaltungen, die auf dem sozialen Netzwerk öffentlich angekündigt werden, bekommen derzeit tausende Zusagen von Internetnutzern. Diese deuten die Einladungen einfach zu „Facebook-Partys“ um und drohen mit ihrem massenhaften Erscheinen. Anlass war, dass mehrere CDU-Politiker vor den Gefahren durch Facebook-Partys gewarnt und eine Diskussion um deren Verbot in Gang gesetzt hatten.

So traf es kürzlich die CDU Spandau, die zu einer Wahlkampfveranstaltung in ein Lokal geladen hatte. Unter der Überschrift "CDU Berlin startet Facebook-Party" hatte ein Blogger die Ankündigung per Screenshot weiter verbreitet und damit hunderte Zusagen provoziert. Auch für das Sommerfest der CDU im hessischen Dietzenbach am 21. August, zu der die Partei auf Facebook einlädt, interessieren sich scheinbar schon mehr als tausend Menschen. Die Spaßpartei „Die Partei“ in Hessen kopierte die Ankündigung und lud tausende Menschen dazu ein. Fast als 1500 sagten bereits zu.

Kein Wunder, dass der CDU Angst und Bange wird angesichts der zu erwartenden  Teilnehmermassen. Waren doch Facebook-Partys in den vergangenen Wochen immer wieder im Chaos geendet. Die CDU Bergisch Gladbach nahm ihre Veranstaltungsankündigung zum Sommerfest nach einem Zusagenansturm wohl deshalb wieder aus dem Netz. Und die Spandauer CDU schaltete vorsichtshalber die Polizei ein, um im Falle einer Invasion von Störern gewappnet zu sein. Guido Kaupert, stellvertretender Parteichef im Stadtverband Dietzenbach, bleibt dagegen gelassen: "Ich lasse mich von diesen Leuten nicht unterkriegen", sagte er zu Tagesspiegel Online. Den Termin werde er nicht löschen. "Wenn bei dem Sommerfest etwas passiert, wird sich jemand dafür verantworten müssen."

Dass tatsächlich auch so viele Menschen zu Festen und Diskussionsrunden der CDU erscheinen, wie auf Facebook angekündigt, ist ohnehin nicht zu erwarten. Das ist auch gar nicht der Sinn der Aktionen. Wenn es denn überhaupt einen gibt, so ist es der, die mangelnde Internetkompetenz einiger Politiker zu entlarven.

Der Kölner Blogger Jens Scholz, der von sich selbst sagt, er habe die neue Facebook-Welle erfunden, schreibt auf seinem Blog, es gehe ihm vor allem um Spaß. Darüber hinaus wolle er darauf hinweisen, „dass der Ersteller dieser Seite genau den selben Bedienungsfehler gemacht hat, der hin und wieder mal zu dem Schabernack führt, der in den Medien und bei Politikern unter Facebook-Party kursiert.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Politiker die Schadenfreude der Netzgemeinschaft auf sich ziehen. Immer, wenn sie vor angeblichen Gefahren des neuen Mediums warnen, werden die Nutzer hellhörig und reagieren auf ihre Art. So entstand beispielsweise während der Debatte um Internetsperren der Spitzname „Zensursula“ für die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sorgte mit ihrem offenen Brief an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, in dem sie mit Löschung ihres Profils drohte, für viel Spaß im Netz.

Dabei versuchen die Parteien immer wieder und gerade im Wahlkampf, ihre Internetaffinität zu beweisen. Mit Auftritten in den sozialen Netzwerken und ausgeklügelten Web-Kampagnen wollen sie vor allem die „Digital Natives“, also jene jungen Wähler, die mit dem Internet aufgewachsen sind, erreichen. Mit der Angst vor der oft beschriebenen „digitalen Gefahr“ können die aber nichts anfangen. Das Ergebnis: Diejenigen, die davor warnen, werden öffentlich ausgelacht.

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