Fußball auf Facebook : Das Ascot-Experiment

Ein Aufeinandertreffen der britischen Amateur-Clubs Ascot United und Wembley FC ist eigentlich noch nicht mal im fußballverrückten England eine große Sache – wenn nicht Facebook das Spiel live übertragen würde.

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Dass Budweiser UK das Spiel Ascot United gegen Wembley FC via Facebook überträgt, gefällt bisher 108 Nutzern.
Dass Budweiser UK das Spiel Ascot United gegen Wembley FC via Facebook überträgt, gefällt bisher 108 Nutzern.Foto: Screenshot

Gut, dass sich Facebook noch nicht für die große spanische Fußball-Liga interessiert. Dort soll ja am Wochenende flächendeckend gestreikt werden. Für die erste Liveübertragung eines Fußballspiels hat sich das weltweit größte Soziale Netzwerk England ausgesucht, genauer, das durch seine Pferderennen berühmte Örtchen Ascot. Ein Aufeinandertreffen der britischen Amateur-Clubs Ascot United und Wembley FC ist eigentlich noch nicht mal im fußballverrückten England eine große Sache. Am Freitag allerdings stehen diese beiden Vereine im Fokus der Online-Welt. Um 19.45 Uhr Ortszeit soll Facebook das Qualifikationsspiel zum sogenannten FA Cup im Internet übertragen und damit erstmals ein komplettes Fußballspiel live streamen. Gesponsert wird das Event von der Brauerei Budweiser, die gleichzeitig Titelsponsor dieses FA Cups ist.

Interessant ist die Geschichte vor allem auch deshalb, weil im Zusammenhang mit der Vergabe der begehrten Medienrechte an der Fußball-Bundesliga in jüngster Zeit immer öfters von einer neuen Alternative die Rede ist: von einer Art Internet-Sportschau, sprich Highlight-Zusammenfassungen im Web. Man stelle sich das vor: Um 18 Uhr am Samstagabend bleibt der Fernsehbildschirm schwarz. Statt der „Sportschau“ im Ersten mit Delling, Beckmann oder Opdenhövel – die Heilige Kuh aller Fußballfans–, ab 19 Uhr eine sogenannte „lineare Sendung über Web-TV“. Nicht mit Ascot, sondern mit Bayern oder Dortmund. Eines der Übertragungsmodelle, die die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei der Vergabe der Medienrechte ab der Bundesliga-Spielzeit 2013/2014 auf den Weg gebracht hat, sieht genau so eine Sendung vor. Das wäre dann das Aus für die „klassische“ ARD-Sportschau. Bislang wurden solche Szenarien eher abgetan, weil sich Fußballfans und Experten nicht vorstellen konnten, welche Interessenten aus der Online-Welt sich ernsthaft auf das Geschäft Fußballübertragungen oder -sendungen einlassen könnten. Von Google TV, Youtube oder Yahoo war die Rede. Mit der Liveübertragung via Facebook zeigt nun ein Mediengigant Flagge, wenn auch aus der Provinz. Ob Mark Zuckerberg damit schon Größeres im Schilde führt, sagt der Facebook-Chef nicht. Bislang gibt es offenbar keine Pläne für die Übertragung weiterer FA-Cup-Qualifikationsspiele.

Werden wir uns trotzdem bald alle zum Sportschaugucken bei Facebook treffen? Abwarten. Und Tee trinken. Oder Bier. Facebook ist eine Plattform, die von Organisationen und Unternehmen sehr vielfältig genutzt wird. Der Stream aus dem Stadion in Ascot wird auf der UK-Fanpage von Budweiser zu sehen sein, die knapp 70 000 Fans zählt. Zuschauen darf allerdings nur, wer über 18 Jahre alt ist. Der entsprechende Link wird am Freitag freigeschaltet. Prost.

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