Glossar Digitalfotografie : Von Bildautomatik bis Weißabgleich

Michael Krause

Bildautomatik: Viele Kameras bieten aufwendige Bildautomatiken für interessante Effekte, etwa für Panoramabilder – manche auch in 3D. Die HDR-Funktion (High Dynamic Range) sorgt für schärfe-optimierte Bilder. Sie nimmt automatisch mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen auf und kombiniert sie zu einem Gesamtbild. Die Multi- Frame-Funktion mancher Kameras arbeitet ähnlich. Sie nutzt Bildreihen, um ein Gesamtbild mit möglichst wenig Rauschen zu produzieren.

Bildsensor: Er ist das Zentrum jeder Digitalkamera. Die Sensoren der meisten Kameras sind kleiner als ein 35-mm-Negativ. Sind sie genauso groß, spricht man von Vollformat. Das Bildrauschen, das bei höherer Empfindlichkeit auftritt, ist bei größeren Sensoren geringer. Aber auch die Pixeldichte auf der Sensoroberfläche ist wichtig. Werden Sensoren mit zu vielen Pixeln überfrachtet, kommt es zu verstärktem Grundrauschen.

Bildstabilisator: Mithilfe von Bildstabilisatoren ist es möglich, bei wenig Licht noch etwas längere Verschlusszeiten aus der Hand zu schießen. Es gibt drei Verfahren: Optische Stabilisatoren setzen im Objektiv an. In Bruchteilen von Sekunden werden Gegenbewegungen errechnet und die beweglich gelagerten Linsen entsprechend gesteuert. Mechanische Systeme arbeiten ähnlich, sitzen aber im Kamerakörper und bewegen den Bildsensor.
Digitale Stabilisatoren setzen dagegen, wenn das Licht kritisch wird, einfach die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors hoch, was aber zu mehr Bildrauschen führen kann.

Blitz: Eingebaute Kamerablitze eignen sich zum Aufhellen von Motiven bis zu einer Entfernung von zwei bis drei Metern. Weiter hinten liegende Objekte bleiben im Dunkeln. Externe Blitze haben eigene Batterien und eine höhere Leistung. Je höher die Leitzahl desto größer die Reichweite. Zudem sind sie schwenkbar für weitere Blitzeffekte wie indirektes Blitzen. Aufsteckblitze werden auf den Zubehörschuh der Kamera geschoben und dann über Kontakte von der Kamera gesteuert.

Dateiformate: Das JPEG-Format ermöglicht eine starke Komprimierung von Bildern und spart so Speicherplatz. Das bringt Informationsverluste mit sich, die bei zu starker Komprimierung sichtbar werden können. Bieten Kameras das Format TIFF an, sind die Dateien am Ende größer, haben aber kaum Verluste. Bessere Kameras bieten das Rohformat RAW an. Es erlaubt eine spätere Nachbearbeitung wie am Negativ, braucht aber wesentlich mehr Speicherplatz. Das RAW-Format ist herstellerspezifisch, kann aber in das offene DNG-Format (Digital Negative) umgewandelt werden.

Festbrennweite: Objektive mit nur einer Brennweite sind in der Regel preiswerter und lichtstärker als Zoom-Objektive. Das bringt Vorteile beim Fotografieren mit wenig Licht und spart Gewicht. Es werden Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektive unterschieden. Die sogenannte Normalbrennweite von traditionell 50mm ist der Allrounder unter den Objektiven. Da nur die sehr teuren Digitalkameras Vollformatsensoren von der Größe eines Kleinbildnegativs besitzen, liegt die Normalbrennweite zumeist deutlich unter 50 mm.

Lichtfeldkameras: Sie könnten die Zukunft der Fotografie sein. Ihre Bilder können nachträglich an beliebigen Fokuspositionen scharf gestellt werden. Selbst 3-D-Effekte können so erzeugt werden. Das ist möglich, weil vor den Bildsensor ein Linsenraster geschaltet ist, das die Richtung des einfallenden Lichts ermittelt. Die Bilddatei enthält somit sehr viel mehr Informationen als auf den ersten Blick sichtbar sind.

Foto-Workflow-Software: Sie sind Datenverwaltungsprogramm und Fotobearbeitungstool in einem. Ein durchsuchbares, komplexes Fotoarchiv kann so einfach angelegt und verwaltet werden. Die Bilddateien können dabei gleich im Programm optimiert und für Prints ausgegeben werden. Herstellerübergreifende Programme wie Adobe Lightroom, Magix Foto Manager oder die Free-Ware Darktable für Linux können dagegen mit den verschiedenen Hersteller-Formaten umgehen und bieten noch mehr Funktionen.

ISO-Empfindlichkeit: Der Standard für die Lichtempfindlichkeit von Filmmaterial und Bildsensoren. Im Menü jeder Digitalkamera kann die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors verändert werden. Je höher der ISO-Wert, desto empfindlicher ist der Sensor eingestellt. Aufnahmen mit kürzeren Verschlusszeiten werden möglich. Mit jeder Erhöhung der ISO-Stufe steigt das Bildrauschen, ähnlich der Körnung beim Film. Bei heutigen Sensoren sind ISO-Werte bis 800 oft noch verhältnismäßig rauscharm. Darüber produzieren meist nur noch die teureren Kameras brauchbare Ergebnisse.

Weißabgleich: Unterschiedliche Lichtquellen haben verschiedene Lichtfarben. Für das Auge, das sich in Mikrosekunden anpasst, kaum sichtbar – für die Kameras aber eine Herausforderung. Der automatische Weißabgleich vieler Kameras kommt besonders bei Kunst- und Mischlicht oft in Probleme. Ein Weißabgleich direkt vor Ort an der Kamera oder später in der Nachbearbeitung (dann besser am RAW-Format) empfiehlt sich. Beim Weißabgleich in der Nachbearbeitung sollte der Monitor aber gut auf den Drucker oder das Fotolabor abgestimmt sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben