Google Earth 5.0 : Auf Jacques Cousteaus Spuren

Das Internet-Unternehmen Google hat seine Software "Google Earth" runderneuert und erstmals mit Material über die Weltmeere angereichert. Mit "Google Ocean" lassen sich von sofort an virtuelle Tauchfahrten unternehmen sowie mit Hilfe von Informationen, Bildern und zahlreichen Videos die Meere erkunden.

Kurt Sagatz
Ocean
Eindrucksvolle Ansichten: Das Great Barrier Reef in Australien.Screenshot: Promo

Es ist, als ob man nun die richtige Brille aufgesetzt hat. Das eben noch still daliegende Meer im Computerprogramm "Google Earth" fängt plötzlich an, sich zu bewegen. Sanft umspülen die Wellen die Europainsel, die sich nahe Madagaskar in der Straße von Mosambik befindet. Westlich der Insel taucht ein Symbol auf, darauf ein Mann mit roter Mütze. Es handelt sich um Jacques Cousteau, den 1997 gestorbenen französischen Meeresforscher. Ein weiterer Klick auf das Symbol und es öffnet sich ein Videofenster, in dem frisch geschlüpfte Babyschildkröten zur Wasserlinie krabbeln.

Der 1968 entstandene Cousteau-Clip ist Teil des Projekts "Google Ocean", das vom Suchmaschinenbetreiber in den letzten beiden Jahren für sein Programm "Google Earth" vorangetrieben wurde. "Sie können nun nicht nur in die entlegensten Winkel auf der Landoberfläche navigieren, sondern auch in die Ozeane eintauchen, die fast drei Viertel unseres Planeten bedecken, um dort faszinierende Phänomene zu erleben", sagte Al Gore, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger US-Vizepräsident am Montagabend bei der Vorstellung der neuen virtuellen Weltkugel in San Francisco.

Mit "Google Ocean" lässt sich tatsächlich ins Meer eintauchen. "In dieser ersten Version wird man dabei allerdings keine Fische vorbeischwimmen sehen", räumt Google-Sprecher Stefan Keuchel auf Nachfrage ein. Ähnlich verhält es sich mit den ebenfalls kartierten Schiffswracks. "Google Ocean" erfasst die Position, nennt den Schiffsnamen und das Datum des Untergangs. In einigen Fällen sieht man im Video, wie das Wrack auf dem Meeresboden liegt. Doch selber herumtauchen geht nicht, noch nicht. Durch die offene Schnittstelle des Programms könnten Nutzer dort aber tatsächlich ein virtuelles Abbild des Wracks erschaffen, sagt Keuchel und verweist auf die 3-D-Gebäude aus Berlin in "Google Earth".

Diesmal keine Kritik an Google wegen der Datensammelwut

"Cousteaus Welt des Meeres" und die Schiffswracks sind zwei von 20 Bestandteilen bei "Google Ocean". Ein erster Anlaufpunkt sind die "Sehenswürdigkeiten unter Wasser", die von vielen Organisationen und Privatpersonen zusammengestellt wurden. Zu den Partnern gehören unter anderem BBC Earth, die Marine Conservation Society und National Geographic. Für Wassersportfans dürften besonders die Informationen über Surfspots, Tauchgründe und Kitesurfing-Gebiete interessant sein. Wer sich intensiver für Meeresbiologie interessiert, kann die Routen einiger Meeresbewohner verfolgen, die mit einem Satellitenortungsgerät versehen wurden. Im Bereich "Meeresschutzgebiete" wird über bedrohte Regionen wie das Great Barrier Reef in Australien informiert. Auch an anderen Stellen wie "Tote Zonen", "Seefood Watch" und "Fish to Eat" kommt der Umweltschutzgedanke zum Tragen. "In den Debatten über den Klimawandel werden die Weltmeere oft übergangen, obwohl sie in der Thematik eine entscheidende Rolle spielen", sagte dazu Google-Chef Eric Schmidt.

Einen in dieser Form noch nie gesehenen Blick bieten die "Besonderheiten der Unterwasserlandschaften". Mit einem Klick auf diese Abteilung kann man den Weltmeeren bis auf den Grund schauen. Die Nordsee erinnert zwar nur an ein Hochplateau, interessant wird es dafür in den Gräben von Atlantik und Pazifik, und auch die unterseeischen Gebirge in der Südsee bieten spektakuläre Ansichten.

Seit der Veröffentlichung der ersten Version von "Google Earth" 2005 wurde das Programm 400 Millionen Mal herunter geladen. Deutschland liegt bei den Abrufen direkt hinter den USA. Das kostenlose Programm (Windows, Apple, Linux) benötigt allerdings einen schnellen Rechner, der genügend Platz für das Zwischenspeichern der Bilder und eine schnelle Internetverbindung bereithält. Neu in der Version 5.0 ist die Funktion zum Aufzeichnen der Kamerafahrten, um eine Tour mit Informationen und Bildern zu erstellen. Zudem verfügt das Programm jetzt über eine Zeitleiste. Darüber lässt sich zum Beispiel das Abschmelzen der Gletscher nachvollziehen. Und Kritik wegen seiner Datensammelwut muss Google diesmal nicht fürchten, für die Ozeane gibt es keine Datenschutzbeauftragten.

http://earth.google.de

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