Hybrid-TV : Das Internet wird zum Fernsehstar

So gelangen Mediatheken, Wikipedia-Beiträge oder ein Webcam-Chat ins Wohnzimmer

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Ob Live-TV, Filme aus der Onlinevideothek oder Material aus der eigenen Digitalbibliothek: Flachbildfernseher verfügen über eine breite Auswahl an Anschlüssen. Foto: pa/dpa
Ob Live-TV, Filme aus der Onlinevideothek oder Material aus der eigenen Digitalbibliothek: Flachbildfernseher verfügen über eine...Foto: picture-alliance/ dpa

Keine TV-Sendung mehr verpassen, mal eben ein paar Informationen bei Wikipedia nachlesen oder mit Freunden via Webcam vom Sofa aus skypen – dies gehört zwar nicht zur Grundausstattung eines Flachbildfernsehers, doch die meisten Komfortfunktionen lassen sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand nachrüsten. Viele aktuelle Mittelklasse-Fernseher verfügen bereits ab Werk über einen Netzwerkanschluss für den Zugang ins Web. Allerdings ist der Funktionsumfang dennoch eingeschränkt und umfasst zumeist nur den Zugang zu Youtube oder einigen Mediatheken. Doch es gibt eine Reihe von anderen Möglichkeiten, die neuen Fernseher um weitere Funktionen zu ergänzen oder ältere Flachbildfernseher ohne Netzwerkanschluss dennoch internettauglich zu machen.

DER ZWEIT-PC FÜR DAS WOHNZIMMER

Der universellste Weg ist der Anschluss eines ganz gewöhnlichen Computers. Damit lassen sich alle Funktionen des PCs uneingeschränkt auf dem Fernseher nutzen. Wichtig sind ein leiser Lüfter und ein unauffälliges Gehäuse. Einige Flachbildfernseher besitzen einen eigenen Eingang für Computer, die dann mit einem gewöhnlichen Monitorkabel angeschlossen werden können. Alternativ kann der Computer aber auch an den HDMI-Eingang des Fernsehers angestöpselt werden. Entsprechende Verbindungskabel kosten zwischen 20 und 30 Euro. Zusätzlich muss eine Verbindung zwischen Soundkarte und Audioeingang des Fernsehers hergestellt werden. Zum Bedienen des Computers werden am besten eine Schnurlostastatur und eine kabellose Maus eingesetzt. Für ein besseres Bild werden die Anzeigeeinstellungen in der Systemsteuerung vergrößert. So lässt sich die Schrift auch vom Sofa aus gut lesen. Zusätzlich verfügen Internet-Browser wie der Internet Explorer oder Firefox über einen Zoom.

SCHNURLOS MIT VIANECT AIR TV

Noch bequemer lassen sich Notebooks mit dem Fernseher verbinden, um beispielsweise Digitalfotos vom letzten Urlaub wiederzugeben, um auf die Audio- und Videobibliothek des Notebooks zuzugreifen oder um einen Film aus einer Videothek auf dem großen TV-Bildschirm anzusehen. Dabei hilft das neue Devolo-Produkt Vianect Air TV (rund 120 Euro). Mittels Wireless USB werden dabei die Audio- und Videodaten kabellos zum Fernseher oder auch zu einem Beamer geschickt. Die Übertragung ist für HD-Signale mit 720 Zeilen ausgelegt, in diesem Standard strahlen beispielsweise ARD und ZDF ihre HD-Programme aus. Die maximale Reichweite liegt bei rund zehn Metern. Vianect Air TV besteht aus einem USB-Stick, der als Sender in das Notebook gesteckt wird, und einer Empfängerbox, die entweder per HDMI- oder Monitorkabel mit dem Fernseher verbunden wird. Das Audiosignal wird entweder direkt per HDMI-Kabel zum Fernseher geschickt, es gibt aber zusätzlich auch einen Klinkensteckerausgang, so dass auch eine Stereoanlage angeschlossen werden kann. Auf dem Notebook muss nur der USB-Treiber installiert werden. Ansonsten ist das Produkt so vorkonfiguriert, dass auch Laien kein Problem damit haben dürften, das System in wenigen Minuten zu installieren. Da das Bild vom Notebook vom Prinzip her auf dem Fernseher gespiegelt wird, erzielt man das beste Ergebnis, wenn auch das Notebook über einen 16:9-Bildschirm verfügt. Die Qualität des TV-Bildes ist erstaunlich gut, nur bei schnellen Kamerafahrten kam es in unserem Test zu leichten Rucklern.

DIE HD-VIDEOTHEK MIT APPLE TV

Der Name Apple TV ist leicht irreführend – zumindest derzeit in Deutschland, denn momentan können damit Fernsehfilme und Serien nur über einen Umweg empfangen werden. Doch der Reihe nach: Die seit kurzem verfügbare zweite Version von Apple TV besteht aus einer unscheinbaren kleinen schwarzen Box, die über ein HDMI-Kabel mit dem Flachbildfernseher verbunden wird. Hinzu kommt eine äußerst schlanke Fernbedienung. Über ein Funknetzwerk oder ein Netzwerkkabel wird eine Verbindung zum Internet hergestellt, vorzugsweise zum iTunes-Store von Apple. Die neue Apple-TV-Box ist mit einem Preis von rund 120 Euro erheblich preiswerter als der Vorgänger. Anders als beim Vorgänger wurde auf eine Festplatte verzichtet. Die Filme können darum nicht mehr gekauft, sondern nur noch geliehen werden. Die Auswahl an Filmen ist beachtlich, das Gros davon steht in HD-Qualität zur Verfügung.

Mit Preisen von drei bis fünf Euro für einen Film in HD-Qualität ist das Angebot durchaus konkurrenzfähig zu klassischen Videotheken. In Amerika umfasst das Angebot auch TV-Filme und Serien. In Deutschland werden diese via iTunes allerdings nur verkauft. Mit Apple TV können aber auch Filme, Songs und Bilder von einem Computer mit iTunes-Bibliothek wiedergegeben werden. Bis das an sich durchaus umfangreiche Angebot an TV-Material auch in Deutschland bequem mit Apple TV ausgeliehen werden kann, könnte man es für den Download auf dem Computer kaufen, um es dann zum Fernseher zu streamen.

Besonders an Apple TV ist aber erneut der unkomplizierte Umgang damit. Zur Einrichtung werden nur der Wireless-LAN-Schlüssel und die Zugangsdaten zu iTunes benötigt. Das Menü wurde auf das Wesentliche beschränkt, im Zentrum stehen die Filme, die auf den Computer gespeicherten Medien sowie die Schnittstellen zu Youtube oder Flickr. Die Filme lassen sich unter anderem nach Genre sortieren. Über Inhaltsangaben, Besetzungsliste und wichtige Kurzinfos wird die Auswahl erleichtert, wobei vor allem die Vorschau sehr hilfreich ist. Zudem kann sich der Filmfan von den AppleTV-Empfehlungen anregen lassen. Aber auch etwas anderes ist typisch für Apple: Am Ende bewegt man sich in einer geschlossenen Konsumwelt.

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