Im Interview : „Je individueller desto besser“

Der Kölner Sportmediziner Ingo Froböse rät zu Spielen mit gut abgestimmten Trainingsplänen.

Ingo Froböse
Ingo FroböseFoto: Promo

Herr Froböse, Fitness-Programme fürs Wohnzimmer liegen im Trend. Mit Spaß gesünder werden, so werben die Hersteller dafür. Was halten Sie von Fitness-Spielen an der Konsole?

Ich finde die Spiele grundsätzlich gut. Mit ihnen lassen sich auch Menschen erreichen, die körperlich nie besonders aktiv waren. Sie werden für das Thema Bewegung sensibilisiert, ohne sich großartig Gedanken machen zu müssen.

Sind solche Spiele also eine Alternative zu Freizeitsport und Fitness-Studio?

Sie sind zumindest kein vollwertiger Ersatz. Die Trainingspläne der Konsolen berücksichtigen die individuellen Fähigkeiten der Spieler nicht in ausreichendem Maße. Ein Beispiel: Wenn ich Muskelaufbau betreiben möchte, muss ich zunächst meine muskuläre Leistungsfähigkeit kennen – nur so kann ich die Übungen entsprechend anpassen. Darüber hinaus erfordern die Leistungsfortschritte, die sich zu Beginn recht schnell einstellen, eine ständige Anpassung des Trainingsplans. Und dazu sind diese Spiele noch nicht in der Lage.

Welche Bestandteile sollte ein Fitness-Spiel auf jeden Fall haben?

Erstens sollte das Programm nach den individuellen Interessen und Bedürfnissen des Nutzers fragen. Zum Beispiel, ob er lieber Kraft oder Ausdauer trainieren möchte. Zweitens sollte zumindest zwischen Anfängern, Fortgeschrittenen und Könnern unterschieden werden, um Über- oder Unterforderung zu vermeiden. Drittens sollte der Trainingsplan aus Aufwärmen, Hauptteil und abschließender Analyse bestehen. Besonders wichtig sind ausreichende Ruhephasen. Bei einem Muskeltraining darf ich die gleichen Übungen nicht am nächsten Tag wieder machen.

Also kann Konsolensport der Gesundheit unter Umständen schaden?

Weil die Kondition der Spieler sehr unterschiedlich ist, kommt es bei ungenauen Trainingsplänen häufig zu körperlicher Überforderung. Manchen Spielen fehlt auch eine Zeitbegrenzung. Auch die Bewegungstechnik wird von den Programmen nicht ausreichend kontrolliert und korrigiert. Falsche Bewegungen zum Beispiel beim Konsolentennis überlasten die Muskeln, Bänder, Sehnen und Gelenke.

Die Bewegungssteuerung Kinect der Xbox 360 erfasst den ganzen Körper des Spielers. Aus sportwissenschaftlicher Sicht ein Fortschritt?

Das stimmt. Die Bewegungen werden besser erkannt und können freier ausgeführt werden als beispielsweise mit dem Wii-Controller. Letztendlich bleiben es künstliche Bewegungen. Ein Beispiel: Ich muss beim Laufen eine ganz bestimmte Fußhöhe erreichen, damit Kinect mich überhaupt erkennt. Die Technik bestimmt also das Verhalten des Menschen. Eigentlich sollte es umgekehrt sein.

Müssen Fitness-Spiele immer Wohnzimmersport bleiben?

Ich fände es prima, wenn solche Spiele häufiger in der Öffentlichkeit zum Einsatz kämen – etwa an Flughäfen, wo Menschen viel Wartezeit verbringen. Für solche Orte eignen sich Fitness-Spiele doch hervorragend: Man kann jederzeit ein- und aussteigen, und der Mitmacheffekt wäre immens.

Das Interview führte Achim Fehrenbach.

Ingo Froböse ist Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

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