Independent Games : Computerspiele von unten

Spiele sind schön - aber langweilig. Fortsetzungen und Altbewährtes, wohin der Daumen zuckt. Wer auf der Suche nach Neuerungen ist, findet sie bei den kleinen, unabhängigen Entwicklern, die ihre Leidenschaft für Games noch nicht verloren haben - und vor Ideen nur so strotzen.

Bertram Küster
Aquaria
Poetisch und innovativ. "Aquaria", der letztjährige Gewinner des Independent Games Festivals. -Screenshot: Tsp

Das Schwert folgt der Bewegung der Maus, während der Spieler mit der linken Hand auf der Tastatur den Gegner im Visier behält. Schwertstreiche von links nach rechts, ein Hieb - mit der rechten Maustaste wird der Konter des Gegners geblockt. Etwas unhandlich wirkt das Ganze noch und auch optisch lassen die Kämpfe einiges zu wünschen übrig. Doch so intuitiv wie in dem Online-Multiplayer-Spiel "Determinance" konnten Spieler die Klinge bisher noch nicht einmal auf Nintendos Wii-Konsole kreuzen. Und doch ist das nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, dass Innovationen längst nicht mehr in der etablierten Spiele-Industrie stattfinden, sondern dort, wo diese in den 70er-Jahren begann: in kleinen Garagenfirmen oder neuerdings in Koproduktion vernetzter Spielefans.

Hinter "Determinance" steckt Mode 7, ein zweiköpfiges, unabhängiges Entwicklerteam aus Großbritannien. www.gametunnel.com, einer der führenden Webseiten zum Thema Independent Games, hat ihr Spiel soeben zum innovativsten Spiel des Jahres 2007 gekürt. Das Spiel öffnete dem Team die Türen bei Nintendo, wie Paul Taylor, einer der beiden Game-Designer von Mode 7, gegenüber Tagesspiegel.de stolz berichtet. Ihr aktuelles Projekt ist bereits eine Auftragsarbeit: Ein Spiel für die mobile Konsole Nintendo DS.

Ein neues "Diablo"?

Noch ein Beispiel: Seit Jahren warten Fans des Action-Rollenspiels auf einen würdigen Nachfolger zu "Diablo 2". Doch regelmäßig scheitern selbst Millionen-Projekte an den hohen Erwartungen. Wie ein solches Spiel aussehen könnte, zeigt "Depths of Peril", mit einem im Grunde simplen Trick. Während der Spieler in "Diablo" und seinen Nachahmern seine Missionen allein antritt, erhält er hier Konkurrenz durch pfiffige Computergegner, die stets an den selben Aufträgen arbeiten und dem Helden sogar die Mitstreiter vor der Nase wegschnappen. Gleichzeitig muss sich der Spieler diplomatisch mit den Kontrahenten gut stellen, um Angriffe auf die kleine Heimbasis zu verhindern - ein strategischer Dreh, der dem Spiel zusätzliche Würze verleiht.

Die Jahresbestenliste von gametunnel.com hat noch einige weitere Computerspiele zu bieten, die das Interesse für die Independent-Szene wachrütteln. In "Kudos Rock Legends" muss der Spieler als Manager eine Rockband von Vorstadt-Schrammlern zu Popstars mit Weltruhm befördern. In "Venture Arctic" erforscht er die arktische Tierwelt unter den Auswirkungen des Klimawandels. In "Aquaria" übernimmt er die Heldin in einem poetischen Unterwasser-Märchen und manipuliert dabei die Umwelt mit sanften Melodien.

Independent Games Festival im Februar

"Aquaria" ist der Sieger-Titel der Experten von gametunnel.com und war zugleich der Gewinner des Independent Games Festivals im letzten Jahr. Vom 18. bis 20. Februar findet in San Francisco bereits die zehnte Auflage dieses wichtigsten öffentlichen Auftritts der Szene statt. Eines ist schon jetzt sicher: Die Ergebnisse werden sich erneut sehen lassen können.

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