Internet : Edelshopping gesucht

Im Internet finden sich soziale Netzwerke für jeden Geschmack – manche davon sind ganz exklusiv.

Torben Waleczek
Internet-Shopping
Das Portal brands4friends.de. -Screenshot: Tagesspiegel.de

Soziale Netzwerke sind das große Phänomen im Web 2.0. Das Prinzip ist überall ähnlich. Meistens jüngere Menschen erstellen eine persönliche Profilseite, veröffentlichen Fotos oder Tagebucheinträge und knüpfen Kontakte zu anderen Gemeinschaftsmitgliedern. Auf etablierten Portalen wie StudiVZ, Xing oder Myspace tummeln sich Millionen Nutzer. Doch neben diesen Branchenriesen entstehen immer mehr neue Netzwerke für spezielle Interessen und Altersgruppen. Damit sind die Gemeinschaften nicht mehr nur für Schüler, Studenten und Geschäftsleute interessant. Andere Zielgruppen entdecken die Web 2.0-Gemeinden für sich. Viele wollen rein, aber nicht jeder darf überall mitmachen. Unter Netzwerken im Internet gibt es offene und fast geschlossene Gesellschaften. Manche Portale beschränken den Zugang und die Vorteilsnahme auf eine kleine Zahl erlesener Mitglieder.

HALB GESCHLOSSENE NETZWERKE

Zutritt zu den halb geschlossenen Netzwerken bekommt man nur auf Einladung eines bereits registrierten Mitgliedes. Shoppingportale wie das französische Vente-privee.com oder das deutsche Pendant Brands4friends.de geben sich so einen Anstrich von Exklusivität – passend zu den Marken- und Designerprodukten, die dort zu Sonderpreisen verkauft werden. Dazu kommt, dass meist nur eine begrenzte Menge von Artikeln angeboten wird. „Wegen der starken Preisreduzierung haben wir Vorgaben von den Herstellern, dass wir zu unseren Verkaufsaktionen nur eine bestimmte Anzahl an Teilnehmern zulassen“, sagt Constantin Bisanz, Geschäftsführer von Brands4friends.de, wie Familyone.de eine Tochter der Holtzbrinck-Verlagsgruppe, zu der auch der Tagesspiegel gehört. Ähnlich schwierig gestaltet sich der Zugang zum deutschen Freundschaftsnetzwerk Kiezkollegen.de. Der richtige Ort, der richtige Kontakt, die richtige Party – hier sollen Leute aus der gleichen Stadt zueinander finden. Bisher gibt es Unterportale für Hannover, Hamburg, Stuttgart und Berlin. Auch bei den Kiezkollegen gilt: Rein kommt nur, wer eingeladen wird. Die Betreiber der halb geschlossenen Netzwerke raten potenziellen Beitrittskandidaten, dass sie sich im Bekanntenkreis nach einer Einladung umhören sollen. Wer nicht fündig wird, muss sich selber helfen. In Internetforen und offenen Webgemeinschaften sind Bittsteller unterwegs und fragen bei fremden Menschen nach einer Einladungs-Mail. Es soll auch noch andere Tricks für den Zugang geben, aber die sind den Anbietern nicht bekannt – oder sie verraten sie nicht. Bei Brands4friends.de will man jedoch bald die Möglichkeit schaffen, sich initiativ für die Mitgliedschaft zu bewerben.

FAMILIEN UND SENIOREN

Mit sozialen Netzwerken lässt sich auch die Familie virtuell organisieren. Entfernte Onkel und Tanten, Neffen oder Cousinen zusammenzubringen, das versprechen die Macher von Familyone.de. Die Mitglieder können hier einen Familienstammbaum anlegen, der in seinen Verästelungen zu den Profilen der Verwandten hinführt. Sichtbar sind persönliche Informationen nur für die eigene Verwandtschaft. Speziell an junge Familien richtet sich das Angebot von Familylounge.de. Auf der Plattform tauschen Schwangere und Eltern von Kindern bis zu drei Jahren Tipps für den Umgang mit dem Nachwuchs aus. In Fotoalben präsentieren Eltern ihre Neugeborenen den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft. Auch ältere Menschen nutzen verstärkt die Möglichkeiten des Web 2.0. Das beweist der Erfolg von Seniorennetzwerken wie Platinnetz.de oder Forum-fuer-senioren.de. Marktführer ist das Portal Feierabend.net mit rund 124 000 Mitgliedern. Mitmachen kann, wer älter als 50 Jahre ist. Der Durchschnitt liegt bei 61 Jahren. „Wenn man im Alter noch einmal umgezogen ist oder viele der alten Freunde schon gestorben sind, kann man hier neue Leute kennenlernen“, sagt Kerstin Hendess von Feierabend.net. Auf der Seite haben sich über 90 Regionalgruppen organisiert, deren Mitglieder sich manchmal auch im richtigen Leben treffen. Mit der technischen Seite des Internets haben die meisten Senioren heute keine Probleme mehr, so Kerstin Hendess. „Viele unserer Nutzer haben sich den Umgang mit dem Computer von ihren Enkeln beibringen lassen.“

HOBBY UND FREIZEIT

Bücher und Reisen, Gesundheit und Haustiere – viele Internetgemeinschaften kreisen um spezielle Interessen ihrer Teilnehmer. Auf der Seite Lovelybooks.de treffen sich deutsche Bücherfreunde. Die Mitglieder katalogisieren ihre Bücherregale, diskutieren in Gruppen über Klassiker oder Neuerscheinungen und schreiben Rezensionen, die anderen Nutzern als Kauforientierung dienen. Ein besonders vielfältiges Angebot an sozialen Gemeinschaften gibt es für Reisende. Auf Seiten wie der Geo-reisecommunity.de oder Tripsbytips.de berichten die Nutzer von ihren Touren rund um die Welt und illustrieren die Texte mit Fotos von ihren schönsten Reiseeindrücken. Persönliche Kontakte zwischen den Mitgliedern vermittelt das internationale Gastfreundschaftsnetzwerk Couchsurfing.com. Die Teilnehmer aus über 200 Ländern stellen einander kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung – nette Bekanntschaften und Einblicke in das Leben der Eingeborenen inklusive. Wer sich um seine Gesundheit sorgt, findet auf Portalen wie Helpster.de oder Imedo.de guten Rat, Ärztebewertungen und Leidensgenossen. Magenbandoperation oder Bluthochdruck – irgendjemand weiß immer Bescheid. Für vergessliche Gemeinschaftsmitglieder bietet Imedo.de einen Service: Per SMS kommt die Erinnerung, dass man Betablocker und Co. rechtzeitig einnimmt. Und wenn es um die Wehwehchen von Haustieren geht, organisieren die Herrchen und Frauchen sich und ihre Vierbeiner in Netzwerken wie Tierfreunde.de oder Hallohund.de.

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