Internet : Google greift Microsoft an

Zehn Jahre nach dem Ende des "Browserkriegs" zwischen Microsoft und Netscape startet jetzt der Suchmaschinengigant Google einen neuen Angriff auf den weltgrößten Softwarekonzern. Google präsentiert eigenen Internetbrowser - und erhofft sich zusätzliche Werbeeinnahmen.

Henrik Mortsiefer

BerlinDer Internetkonzern Google greift den weltgrößten Softwarehersteller Microsoft mit einem eigenen Internetbrowser an. Am Dienstagabend stellte Google "Chrome" in 100 Ländern zum Download zur Verfügung. Nach der Veröffentlichung einer ersten Test-Version für Windows soll später eine Version für das Apple-Betriebssystem sowie Linux entwickelt werden. Über den Start des Google-Browsers war länger spekuliert worden. Die Börse reagierte begeistert: die Aktie gewann mehr als drei Prozent.

Browser-Software ist nötig, um auf Internetseiten zu gelangen und dort zu navigieren. Noch läuft auf fast 75 Prozent aller Computer der Internet Explorer von Microsoft. Vor einigen Jahren waren es 90 Prozent. Mit Chrome will Google an den Erfolg seiner Suchmaschine anknüpfen und den Einflussbereich des verhassten Konkurrenten beschneiden. Microsoft hatte erst kürzlich seine neueste Version des Explorers eingeführt. Marktanteile verlor der Konzern zuletzt an die Browser Firefox der gemeinnützigen Mozilla-Stiftung und Safari von Apple. Google unterstützt Mozilla bislang finanziell.

Mit einem harmlos anmutenden Comic des Starzeichners Scott McCloud bläst Google zum bislang größten Angriff auf Microsoft. Auf 38 Seiten, die am Dienstag früher als geplant ins Internet gelangten, lassen die Google-Entwickler McCloud erklären, wie Chrome funktioniert. Verpackt wird die Kampansage - wie bei Google üblich - in freundlichen Worten: Chrome sei entwickelt worden, "um das Internet besser zu machen", schreibt der US-Konzern in seinem offiziellen Blog. Der neue Browser sei stabiler, sicherer und funktionaler als andere, er beschleunige den Zugang zu Internetseiten und erleichtere komplexe Web-Anwendungen. "Wir glauben, dass Chrome Nutzern einen Mehrwert bietet und dabei hilft, Innovationen im Netz voranzubringen", heißt es. Wie die Google- Homepage sei Chrome "sauber und schnell". Der Programmiercode soll frei zugänglich sein, so dass Entwickler das Produkt verbessern und ausbauen können.

Für Beobachter ist die Zielrichtung des jüngsten Google-Coups eindeutig: "Meet Chrome, Google's Windows Killer", titelte Techcrunch, ein einflussreicher Technologieblog. Hinter dem niedlich wirkenden Werbe-Comic stecke knallhartes Kalkül. "Google wirft Microsoft den Fehdehandschuh direkt ins Gesicht und greift den Softwarekonzern auf vermeintlich angestammtem Gebiet an", schrieben die Experten von Heise.de. "Suchmaschinen, Mobilfunk, Browser - Google sucht sich immer neue Oberflächen, auf denen es Werbeerlöse erzielen kann", sagte Michael Sander vom Beratungsunternehmen Terraconsult. Mit Chrome erschließe sich der US-Konzern jetzt einen "eigenen Geschäftskanal".

Während Google unangefochtene Nummer eins im Geschäft mit Internetwerbung ist - 2007 erlöste der Konzern hier 16,6 Milliarden Euro - fehlte bislang ein eigener Browser. Google musste deshalb fürchten, dass Microsoft mit seinem Internet Explorer immer mehr Nutzer auf seine eigene Suchmaschine leitet, was Googles Marktposition treffen würde. Chrome soll als Fenster zum Internet dies verhindern: Google kann mit dem Browser sämtliche seiner Internetanwendungen (Suchmaschine, E-Mail, Bürosoftware) leichter ansteuern.

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