Internet : Google macht in Datenschutz

Nach dem Aufstand der Datenschützer hat Google jetzt die überarbeitete Variante der umstrittenen 3-D-Karte "Google Street View" vorgestellt. Sie soll noch 2010 online gehen. Möglicherweise hat die Deutschlandkarte dann aber viele schwarze Löcher.

Jana Haase
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Panoramablick auf den Trafalgar Square. In London funktioniert "Google Street View" bereits. -Screenshot: Tsp

Berlin - Der Andrang war groß, als Google am Dienstag in Berlin zur Vorstellung der 3-D-Karte "Google Street View" einlud. Die Panorama-Erweiterung für die Online-Karte "Google Maps" gibt es bereits in 19 Ländern weltweit, in Deutschland sind die Fotoaufnahmen dafür "fast komplett", wie Google-Maps-Entwickler Raphael Leiteritz erklärte. Wer allerdings auf einen konkreten Starttermin oder erste Bilder gehofft hatte, wurde enttäuscht: In rund zwei Stunden bemühten sich die Google-Mitarbeiter stattdessen, die Datenschutzbedenken gegenüber dem Programm auszuräumen. Dafür hatte sich der Online-Riese rechtliche Unterstützung mit einem Gutachten von Nikolaus Forgó, dem Leiter des Instituts für Rechtsinformatik an der Universität Hannover, geholt.

Kritik war zuletzt von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gekommen: Sie hatte dem Programm die "millionenfache Verletzung der Privatsphäre" vorgeworfen und Einschränkungen gefordert. Das Problem: Auf den Fotos für die Panoramakarten sind auch Menschen zu sehen, Spaziergänger, Autofahrer, Gäste in Straßencafés, Bankkunden an Geldautomaten. Die öffentliche Abbildung sei persönlichkeitsrechtlich bedenklich, meinen Datenschützer. „Damit wird das Private ohne Schutzmöglichkeiten an die globale Öffentlichkeit gezerrt. Niemand hat diese Entwicklung bisher wirklich kontrolliert“, erneuerte Aigner am Dienstag ihre Kritik.

Die Google-Rechtsabteilung sieht das zwar anders, wie deren Leiter Arnd Haller zuvor betonte: Schließlich handele es sich lediglich um öffentliche Straßen und Plätze, zudem stünden Gebäude und nicht Menschen im Mittelpunkt der Bilder. Dennoch will das Unternehmen für die deutsche "Street-View"-Variante einige Datenschutz-Zugeständnisse machen: So sollen Betroffene bereits vor Start des Programms gegen die Abbildung ihres Hauses widersprechen können. Das Gebäude würde dann komplett geschwärzt, so Haller - und zwar unabhängig davon, ob der Widerspruch vom Hausbesitzer selbst oder einem Mieter kommt. Jeder Einspruch werde respektiert: "Wir wollen die bürokraktischen Hürden flach halten", erklärte er.

Sowohl Gesichter von Personen als auch Autokennzeichen mache das Programm automatisch unkenntlich, allerdings laufe die Technik nicht ganz fehlerfrei, wie Entwickler Raphael Leiteritz einräumte. Probleme könnten die Nutzer jederzeit melden, das Gesicht würde dann "schnell" und "unbürokratisch" gepixelt, bei Wunsch der betroffenen Person könne das Bild auch ganz aus dem Programm genommen werden. Darüberhinaus will Google die unbearbeiteten Rohdaten löschen.

An der technischen Umsetzung der Datenschutz-Zugeständnisse werde derzeit gearbeitet, erklärte Haller. In Deutschland habe es  bereits "tausende" Widersprüche im Vorfeld gegeben - nach Google-Einschätzung liegt diese Zahl aber "nicht signifikant höher" als in anderen europäischen Ländern, wo das Programm schon läuft. Man rechne damit, dass die Widersprüche in Deutschland noch einmal zunehmen, wenn das Programm online geht.

Einen konkreten Termin dafür gibt es momentan allerdings noch nicht: "Wir hoffen, dass das noch in diesem Jahr passiert", erklärte Haller gestern.

Entwickler Leiteritz hofft darauf, dass die öffentliche Kritik abebbt, wenn das Programm erst einmal läuft. Dass es mit den neuen Zugeständnissen möglicherweise schon mit vielen schwarzen Löchern startet, nimmt das Unternehmen in Kauf: "Das wäre schade, aber wir respektieren jeden Widerspruch", betonte Leiteritz. (mit dpa)



Der Widerspruch kann schriftlich und formlos bei Google eingelegt werden.

E-Mail:

streetview-deutschland@google.com

Postadresse:

Google Germany GmbH
Betr. Street View
ABC-Straße 19
20 354 Hamburg

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