Internet : Nackte Tatsachen

Pornos, Gewalt, Nazi-Propaganda: Wer seine Kinder im Internet schützen will, braucht die richtige Filtersoftware. Der Tagesspiegel stellt einige Filterprogramme vor.

Hans-Christian Roestel,Kurt Sagatz

In den USA gibt es seit Anfang Juni ein Abkommen zwischen Justizbehörden und einigen großen Internetanbietern wie Time Warner Cable. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen haben die Provider zugesagt, Sexseiten wie Youporn & Co. zu sperren. Die Europäische Union möchte 2009 das Projekt „Safer Internet“ auf den Weg bringen. Durch dieses EU-weite System sollen unter anderem Filtertechnologien gegen schädliche Homepages und E-Mail-Spam gefördert werden. Um den Schutz der Kinder in Deutschland vor Pornos, Gewalt und Nazi-Propaganda aus dem Netz steht es bislang schlecht. Das Sperren stelle eine unerlaubte Zensur dar, sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft Eco und weiß damit große Provider wie AOL, GMX, freenet oder T-Online hinter sich. Den Eltern rät Summa: „Das bessere Mittel ist es, sogenannte benutzerautonome Systeme einzurichten“. Wir haben uns die gängigen Filtersysteme genauer angesehen.

SO ARBEITEN FILTERPROGRAMME

Die Filterprogramme erkennen über individuelle Einstellungen und Listen, welche Seiten für Kinder geeignet sind und bei welchen es sich um gefährdende Angebote handelt. Die Listen werden den Programmherstellern von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) oder Initiativen wie jugendschutz.net zugeliefert. Auf diese Weise können gegenwärtig rund eine Million unerwünschte Webseiten ausgefiltert werden. Der Provider Arcor hatte bis vor drei Jahren seinen Kunden das „JuniorNet“ angeboten, eine Kombination aus schützender Filtersoftware und einem Zugangsportal für Kinder: mit filternder Suchmaschine, ausgewählten Spielen und betreuten Chatrooms. Das Angebot ist inzwischen eingestellt worden. Nun engagiert sich Arcor für die Initiative „fragFinn“, einem eigens für Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren eingerichteten Surfraum. Das Portal stellt Spiele, Wissens- und Nachrichtenangebote und Surftipps zusammen und wird durch das Bundesfamilienministerium und die pädagogische Initiative „Ein Netz für Kinder“ gefördert. Die Anbieter Arcor, AOL, freenet, 1und1 oder GMX empfehlen ihren Kunden die unter fragfinn.de kostenlos zum Download stehende Kinderschutzsoftware von Cybits.

FRAGFINN: ETWAS KOMPLIZIERT

Kinderschutzsoftware für fragFinn.de (Cybits): Das Programm ist kostenlos und läuft unter Windows XP und Vista. Der Internetschutz ist im Vergleich mit anderen Programmen zwar gut, die Bedienung auf dem Desktop allerdings etwas umständlich. Durch Doppelklick auf das Startsymbol öffnet sich in der Taskleiste am unteren Rand das eigentliche Programm in Form eines kleinen Symbols. Durch das Kontextmenü der rechten Maustaste gelangt man zu den Einstellungsmöglichkeiten: Eltern-/ Kindmodus, Surfzeitlimits. Das Programm kommt mit einer Whitelist aus derzeit mehreren tausend erlaubten Domains aus, es können zusätzliche Seiten freigegeben oder gesperrt werden. Die Benutzerkonten werden als „eingeschränkt“ in der Windows-Systemsteuerung angelegt. Im Netz: www.fragfinn.de

FÜR KUNDEN DER TELEKOM

„T-Online Kinderschutz-Software“. Die Telekom bietet ihren Kunden eine sehr überzeugende und im Test zuverlässige kostenlose Software für Windows-Rechner. Für jedes Kind kann ein eigenes Profil angelegt werden, das durch ein Passwort gesichert ist. Eltern haben detaillierte Einstellungsmöglichkeiten, vom Internet-Zeitlimit über drei Altersgruppen bis zur Sperrung von Internet-Programmen, die Erotik, Onlinekauf/Banking, Extremismus oder Waffen behandeln. Und der „ICRA“-Filter erkennt Seiten, die mit dem jugendfreien Label des international anerkannten „Family Online Safety Institute“ gekennzeichnet sind. Das Elternpasswort verhindert den allgemeinen Zugriff und so eine Deinstallation des Programms. Wenn Kinder auf geblockte Seiten treffen, können sie diese auf eine Wunschliste setzen. Die Eltern bekommen beim Start des Programms eine Mitteilung. Man sollte den Rechner grundsätzlich im „Kinder-Modus“ starten, dann sind alle Sicherungen aktiviert. Im „Elternmodus“ steht das Internet uneingeschränkt zur Verfügung. Im Internet unter service.t-online.de

GUT GESCHÜTZT MIT SALFELD

„Kindersicherung 2008“ (Salfeld): Auf der linken Seite des Programmfensters finden sich nach der Software-Installation 13 Einstellungsrubriken: hier können Nutzerprofile angelegt, Protokolle der gesamten PC-Nutzung eingesehen, Einschränkungen von Homepages vorgenommen oder Filterkategorien gesetzt werden. Der Clou: neben minutengenauen Zeitlimits können Sperrzeiten für den ganzen Rechner oder einzelne Programmgruppen wie Spiele oder Lernsoftware festgelegt werden. Ist die verfügbare Zeit überschritten, schalten sich Internet und/oder PC aus. Nur wer jetzt die Passwörter (der Eltern) weiß, kann nach dem Neustart den Benutzernamen und somit möglicherweise die Einschränkungen umgehen. Die Software läuft ab Windows 98. Im Netz: www.salfeld.de

MIT VIELEN PARTNERN

Die Zeitschrift „Computerbild“ hat in Kooperation mit Microsoft, der Initiative „Deutschland sicher im Internet“, der Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ und dem Providerverband eco mehrere Schutzprogramme auf einer CD gebündelt. Mit dabei: das von uns getestete Salfeld-Programm, das Werkzeug Windows Live Family Safety sowie diverse Surftipps für kindgerechte Internetseiten. Das Thema wird auch auf der Internetseite kinder.computerbild.de behandelt.

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